Deutscher versus Latin LoverUrlaub und Elternbesuch

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Besuch bei den Eltern

Italienische Eltern bringen einem auf den ersten Blick nur Herzlichkeit und Wohlwollen entgegen. Pure Taktik: Italienische Mütter terrorisieren die potenzielle Schwiegertochter subtil. Sie stopfen sie mit selbst gemachten Tortellini voll, erklären ihr das System, mit dem sie die Winterkleidung des Sohnes einlagern, und schleichen nachts über den Gang, um zu kontrollieren, dass die Turteltauben getrennt schlafen (er im Kinder-, sie im Gästezimmer). Wer sich wehrt, wird hinterher beim Sohn schlechtgemacht. Dann war’s das mit der gemeinsamen Zukunft.

Auch von deutschen Eltern wird man scheinbar zwanglos eingeladen. Bis einen seine Mutter, die vorher beim Waschen-Legen-Föhnen war, mit „Möchten Sie einen Kaffee?“ begrüßt. Sagt man Ja, bringt sie Torten und Kuchen („Hatte ich grad da“), sagt man Nein, verzeiht sie das nie. Schließlich hat sie einen Tag in ihrer Kirschholz-Küche gebacken. Weil alle so jung geblieben sind, wird einem gleich das Du angeboten – „Ich bin der Eberhard“ – und schon sieht man die ganze Zukunft mit Schwiegereltern vor sich.

Erster Urlaub

Erst in den Ferien fühlt sich der Italiener in seinem Element. Arbeit und Alltag sind für ihn eine Einschränkung seiner Lebensqualität. Wenn man ihn in Caraceni-Maßanzügen kennengelernt hat – am Strand trägt er plötzlich Hawaiihemden. Sonnencreme verweigert er („Ich bin ein mediterraner Typ“). Weil man selbst 250 Euro für Sunblocker mit Anti-Aging-Anti-Cellulite-Effekt ausgegeben hat, bräunt man nicht so schnell wie er. Deswegen bezeichnet er einen den Rest des Urlaubs als „Mozzarella“.

Er gibt Unmengen für Yachttrips und Essen aus: Antipasti, Pasta und Fisch mittags, Antipasti, Pasta, Fleisch und Dessert abends (wer nicht mitmacht, gilt als anorektisch). Leider kann er nur vier Minuten lang nichts tun – dann verrückt er Sonnenschirme oder telefoniert. Stundenlang feilscht er mit Strandhändlern um Schmuck oder Fake-Taschen, die man gar nicht haben will.

Fährt man mit einem deutschen Mann in den Urlaub, beraubt man ihn seiner Männlichkeit: Arbeit und Alltag sind für ihn die Sicherung seiner Lebensqualität. Sein Jedi-Schwert, das Handy, hat plötzlich keinen Empfang, der Sand brennt ihm an den Füßen. Er erträgt kein Salz auf seiner Haut und Flip-Flops tun ihm zwischen den Zehen weh. Spendabel ist er nicht („Alles Nepp hier“) und mit dem Frühstück kommt er über den Tag („Wir gehen doch heute abend essen“). Dafür kann man mit dem deutschen Mann stundenlang am Strand liegen. Solange er Schatten und Bücher hat, ist die Situation für ihn zu ertragen – und deshalb auch für uns.