Lustverlust?Zwei Körper, die sich kennen

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Wenn im Kino zwei Körper einander begehren, dann fallen sie übereinander her wie nicht ganz gescheit. Sie muss auf dem Küchentisch sitzen, er bohrt sich unten in sie hinein und reißt ihr oben die Haare aus. Bei uns käme keiner auf die Idee, uns für Leidenschaft zu besetzen. Wir haben es nie auf Küchentischen getan, und einander wehgetan auch nicht. Unsere Ekstasen sehen nicht wild aus, und deswegen hielte sie keiner dafür. Oft genug sind wir uns selbst nicht ganz sicher.

Manchmal macht mich das ein wenig sauer. Denn ich weiß ja genau, dass das, was wir miteinander haben, nicht nur die größere Liebe ist, sondern auch die größere Lust. Sie nimmt sich viel Zeit. Sie ist genau. Sie spielt nichts vor, aber sie spielt immer zu Ende. Und sie ist pur: zwei Körper, die einander kennen, jeden Weg, jede Nervenbahn, jedes Geheimnis, jede Reaktion.

Es ist eine Lust, der die Egos, meines und ihres, nicht mehr im Weg stehen, wir haben ja jenseits des Bettes wirklich mehr als genug Zeit für unsere Charakterkämpfe. Nur noch Lust also, nicht mehr. Eine Maschine, die Taumel produziert, und danach wohliges Kichern. Man könnte es auch Innigkeit nennen, aber das hört sich so altmodisch an.