UnvergönntGood Neid, Ladies

Good Neid, Ladies

Nun mal ehrlich, was ist eigentlich so toll an Jennifer Aniston, dass Sie auf die Cover sämtlicher Frauenmagazine darf? Begabt, soso, witzig, aha, toller neuer Film und überhaupt eine Superfrau, mag ja sein. Aber eigentlich kennt man die doch nur, weil sie Brad Pitt geheiratet hat. Und wenn wir schon dabei sind: Warum, bitte, hat er ausgerechnet die genommen? Mit der Nase, mit diesen … ich weiß ja nicht, irgendwie komischen Augen?

Nicht dass ich neidisch wäre. Na schön, ein bisschen. Eigentlich ständig, wenn ich darüber nachdenke.

Missgunst als Phänomen

Als ob Neid an sich nicht schon schlimm genug wäre, wird man auch noch abgemeiert, wenn man ihn zeigt. Neid ist, wie Joachim Kalka im Kursbuch „Die Neidgesellschaft“ schreibt, die blamabelste aller Todsünden: „Wut und Wollust, Faulheit und Hoffart lassen sich zur Not jeweils zu hitzigem Temperament und Liebesleidenschaft, zu stoischer Verträumtheit und aufrechtem Selbstgefühl umschminken, die Völlerei geht als sinnliche Lebenslust durch, der Geiz als kluge Sparsamkeit. Nur der Neid bleibt peinlich und schwer einzugestehen; ein solches Geständnis, wäre es ernsthaft, offenbarte einen Mangel an Souveränität.“ Der Neid: eine persönliche Bankrotterklärung, Zeichen tief sitzender Unzufriedenheit, Symptom fehlender Selbstliebe.