UnvergönntNeid spornt an

Dabei könnte man einwenden, Neid sei der beste Antriebsstoff der Weltgeschichte, ohne Neid säßen wir immer noch auf den Bäumen („Mist, mein Nachbar hat ein Feuer und ein Rad, das will ich auch“), und ohne Neid hätten wir vermutlich keine Demokratie – irgendeinen Grund wird’s ja wohl gegeben haben, ein paar Aristokraten an die Laterne zu hängen. Unterschiede sorgen für Bewegung, so wie Gefälle Wasser zum Fließen bringt. Sie spornen an, zwingen uns zu der Frage, was wir aus unserem Leben machen, ob wir unsere Talente tatsächlich nutzen. Neid kann zeigen, „was zu verwirklichen in unserem Leben anstünde“, wie die Psychologin Verena Kast sagt, und wo unsere eigenen Ziele eigentlich liegen: Sage mir, was du beneidest, und ich sage dir, wer du bist.

Neid macht süchtig

Neid ist also gar nicht so übel, es kommt nur darauf an, was man draus macht. Und genau da geraten Frauen leider gern ins Straucheln. Wir sind süchtig danach, uns ständig mit anderen zu vergleichen und zwar möglichst so, dass wir den Kürzeren ziehen. Oder wieso sonst fixiert man sich in masochistischer Gründlichkeit immer nur auf das eine Model unter den fünfzig nackten Frauen in der Umkleide des Fitnesscenters und ist blind für die anderen neunundvierzig, die dicke Waden, spargelige Oberarme, wellige Schenkel und Minibrüste haben wie man selbst? „Neidisch werden wir dort, wo wir bei einem Vergleich uns und unsere Leistung von vornherein verloren geben“, sagt Verena Kast – und neidisch werden wir todsicher, wenn wir uns systematisch mit Unvergleichlichem vergleichen.