Die WahrheitDr. Laura hat mein Leben verändert

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Okay, sagt er eines Abends und würgt meinen enthusiastischen Begrüßungskuss ab, ich habe eine kleine Internetrecherche über deine Dr. Laura gemacht. Sie ist 58, sieht aus wie Sabine Christiansen, nur noch schlimmer, und hat einen 19-jährigen Sohn, von dem sie verlangt, dass er nur Dates mit Mädchen hat, die ihr Buch gelesen haben. Ihr zweiter Mann, der ziemlich pleite und deshalb ihr „Manager“ ist, hat für sie seine Familie verlassen, es kursieren Nacktfotos von ihr im Internet, und 2002 wurde die verweste Leiche ihrer Mutter Yolanda in ihrer Wohnung gefunden, wo sie monatelang unentdeckt nach einem Mord gelegen hatte. So viel zum Thema glückliche Familie. Hin und wieder muss sie eine Veranstaltung wegen einer Morddrohung absagen, eine Buchparty zum Erscheinen von „Proper Care and Feeding of Husbands“ fiel aus, weil jeder einzelne Eingeladene abgesagt hatte. Zum Trost hat sie sich gerade einen Porsche gekauft, weil sie ihn „so niedlich“ fand. Reicht dir das?

Das will ich alles gar nicht wissen, sage ich, während ich Dr. Lauras neues Buch „Woman Power“ durcharbeite. Hier: Welche weniger positiven ehefraulichen Angewohnheiten und Überzeugungen haben Sie an sich festgestellt?, man hat zehn Zeilen Platz zum Ausfüllen. Nur zehn! Ich bin verzweifelt.

Am Abend höre ich ihn mit meiner Mutter am Telefon flüstern. Ich verstehe nur Wortfetzen: „Mache mir Sorgen … wie ausgewechselt … hat sie irgendwas zu dir gesagt? … unheimlich …“ Dabei ist das gar nicht wahr. Wenn hier einer wie ausgewechselt ist, dann er. Morgens steht er als Erster auf, um Tee zu machen, legt freiwillig die Wäsche zusammen, sagt, dass er heute zu müde für Sex ist. Er hält sich einfach nicht an die Regeln. Nach einer Woche bricht er schluchzend zusammen. „Ich halte es einfach nicht mehr aus. Ich würde alles für dich tun, wenn du nur endlich wieder normal wirst. Wenn du nur endlich wieder die zynische, neurotische Zicke wirst, in die ich mich mal verliebt habe.“ Würdest du für mich durch haiverseuchte Meere schwimmen, um mir eine Zitronenlimo zu besorgen?, frage ich. „Sofort. Erwähne nur nie, nie wieder diese Frau.“ Dann geht er, um den Müll runterzubringen.

Ich habe Ihnen alles zu verdanken, Dr. Laura. Sie haben mein Leben verändert.