Schön für ihnDr. Laura wäre schockiert

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Beschämt blicke ich an mir herunter: Dr. Laura wäre schockiert, wenn sie mich so sehen könnte. Ich liege in einem löchrigen XXL-T-Shirt auf dem Sofa, gucke mit halbem Auge „Exclusiv“ und warte, dass mein Liebster nach einem Zwölfstundentag nach Hause kommt, um mir mein Abendessen zu kochen. Auf Dr. Lauras Geheiß dusche ich mich und ziehe mir was Nettes an, bevor er heimkommt: mein aufregendstes Nachthemd („Bremerhavener Seemeile 2002 – 5-Kilometer-Lauf“). Kaum höre ich seinen Schlüssel im Schloss („der Höhepunkt Ihres Tages!“), springe ich auf und empfange ihn mit strahlendem Lächeln und einem dicken Kuss. „Wie schön, dass du da bist, Liebling! Ich habe mich so auf dich gefreut!“ – „Geht es dir immer noch nicht besser?“, fragt er. „Lass mich mal deine Stirn fühlen.“ Heute koche ich mal, sage ich. Er guckt beunruhigt. Die Sache mit dem Sex verschiebe ich, ich will ihn nicht überfordern.

Am nächsten Morgen: Machen Sie sich schön für Ihren Mann, sagt Dr. Laura, und es stimmt, ich könnte mal was anderes tragen als ewig nur Jeans und einen schwarzen Pulli. Was soll ich
für dich anziehen, Liebling? „Ein kurzes Kleid“, sagt er. Habe ich nicht. „Irgendwas, wo man deine Nippel sieht.“ Habe ich nicht. „Irgendwas, worin du aussiehst wie Catwoman.“ Hm, dies könnte länger dauern. „Irgendwas, worin du groß und dünn aussiehst.“ Sind Jeans und schwarzer Pulli okay? Er nickt matt. Es ist so schön, ihn glücklich zu machen!

Beschwingt gehe ich zu meinem Friseurtermin. Na, sagt Jörg, warst ja lange nicht mehr da, was machen wir diesmal? Egal, sage ich, ich möchte einfach nur hübsch für meinen Mann aussehen. Um uns herum erstirbt die Konversation. Jörg hebt die linke Augenbraue. Ooookay, sagt er, tiefer Seitenscheitel, mädchenhaft? Ja, sage ich, das wird ihm gefallen. Den Rest der Sitzung verbringen wir schweigend. Mein Trinkgeld ist fürstlich.