Quarterlife-CrisisDie Qual der Wahl

© Kung Shing

Die Ursache für all die Seelenpein von Mittzwanzigern in den modernen Industriestaaten ist – ihre Freiheit. „Das ganze Leben liegt vor dir“, tönt es aus allen Ecken, „mach das Beste daraus.“ Aber irgendwie fühlt man sich wie erschlagen vom Zwang, zwischen den unendlichen Möglichkeiten die richtige für sich herauszufiltern. „Am schlimmsten ist das Wissen, dass alles, was ich tue, mein Leben unwiderruflich beeinflusst. Ich habe die ganze Zeit Angst davor, irgendetwas falsch zu machen“, klagt eine 26-jährige Amerikanerin im Forum der Quarterlife-Crisis-Website.

Die Welt hat sich verändert und mit ihr die Anforderungen, die sie an uns stellt. „Bis vor nicht allzu langer Zeit ging es für junge Erwachsene darum, die Familie zu ernähren. Heute heißt die neue Ideologie: Liebe, was du tust“, sagt Alexandra Robbins. Das erzeugt immensen inneren Druck, denn die Gesellschaft gaukelt einem unablässig vor, es gebe für jeden etwas, worin er sich verwirklichen könne: „Wir fühlen uns schuldig, weil uns dauernd gesagt wird, dass es einfach sei, etwas zu finden im Meer von Möglichkeiten. Wenn wir das nicht schaffen, fragen wir uns, was mit uns nicht stimmt.“

Im Berufsleben bekommt man es mit undurchsichtigen Konkurrenzkämpfen zu tun, in denen Leistung nicht immer belohnt wird. Erste Jobs sind oft eine Enttäuschung, weil kaum etwas von dem gefragt ist, was im Studium gelernt wurde: „Ich habe vier Jahre damit verbracht, alles über Geografie zu lernen, und niemanden interessiert es, was ich zu bieten habe“, sagt eine 23-jährige Absolventin aus Glasgow.