Quarterlife-CrisisSelbstzweifel

© Kung Shing

Vielleicht wäre es damals leichter gewesen, wenn Julia sich nicht so unverstanden, so allein gelassen, so überfordert gefühlt hätte. Wenn ihr nur bewusst gewesen wäre: Anderen geht es genauso wie mir, das ist bloß meine Quarterlife-Crisis, das geht schon wieder vorbei… Eine was? Ja genau, dieser Zustand hat neuerdings einen Namen. Er stammt von zwei jungen Amerikanerinnen, Alexandra Robbins, 26, und Abby Wilner, 27. Im vergangenen Jahr haben die beiden ein Buch mit dem Titel „Quarterlife-Crisis“ verfasst. Auf der Website zum Buch finden sich immer noch Hunderte von Betroffenen ein und tauschen sich mit Leidensgenossen über die existenzielle Ratlosigkeit aus, die sie in so jungen Jahren überfallen hat.

Was also ist die Quarterlife-Crisis? Wörtlich übersetzt: die Krise nach dem ersten Viertel des Lebens. Man hat die Ausbildung abgeschlossen, aber man sucht noch, probiert noch vieles aus, schlägt manchmal über die Stränge, ist oft verunsichert. Und gleichzeitig weiß man, dass es allmählich Zeit wird, wirklich erwachsen zu werden, statt wie bisher nur so zu tun. Goethe nannte diese Lebensphase die Lehr- und Wanderjahre, Psychologen bezeichnen sie als Adoleszenz. Gab es immer schon, ist völlig normal, schüttelt man irgendwann einfach ab. Muss man da gleich von einer Krise sprechen?

Die Autorinnen haben ihre eigenen Erfahrungen gemacht. Beide hatten eigentlich prächtige Jobs: Robbins war Journalistin und schrieb für Magazine wie den „New Yorker“ und die Frauenzeitschrift „Mademoiselle“, Wilner arbeitete als Web-Designerin. Dennoch waren sie unzufrieden. Und stellten fest, dass es ihren Bekannten so erging wie ihnen, aber niemand darüber sprach. Sie interviewten über 100 College-Abgänger. Viele von ihnen klagten über dieselbe nagende Unzufriedenheit, die dazu führte, sich ständig selbst zu fragen: Ist das alles? Hinzu kam der Wunsch, ein erfülltes Leben zu führen, und gleichzeitig die Unfähigkeit, dafür etwas zu tun. Auch Selbstzweifel und Angst vor der Zukunft belasteten die Befragten.