Quarterlife-CrisisZähne zusammenbeißen?

© Kung Shing

Viele Kritiker in Amerika zeigen wenig Verständnis für die Klagen der verweichlichten Halb-Erwachsenen und den Wirbel, den sie um sich machen. Sie vermuten darin nur einen neuen Begriffs-Hype, hinter dem sich eher das Gejammere einer verwöhnten Generation verbirgt als echtes Leiden. Und sie traktieren die verstörten Twenty-Nothings mit den bekannten altväterlichen Ratschlägen: Jetzt reißt euch doch mal zusammen, es gibt Schlimmeres, wir haben es schließlich auch überlebt.

Lebensmuster wie vor 15 oder 20 Jahren existieren jedoch heute nicht mehr. Die eigene Biografie wird zum Hürdenlauf ohne Hürden. Wie hoch soll ich springen? Wie hoch ist gut genug? Wie soll man zum Beispiel Karriere machen können in einer Welt, in der einem ständig gesagt wird, es gäbe so etwas wie lebenslange Berufe gar nicht mehr? Wie soll man eine Familie gründen, sich auf Kinder einlassen, wenn man sich doch gleichzeitig darauf einstellen soll, nur noch befristete Projektverträge zu bekommen? Wohin soll man sich in einer Arbeitswelt entwickeln wollen, die Mittzwanzigern nur Vorläufigkeiten anbietet?

Niemand weiß das. Das musst du schon selber herausfinden, sagen die Älteren. Aber wie? Entscheidet man sich für einen Weg, bleibt immer der Zweifel: Gibt es nicht vielleicht etwas, das noch besser wäre? Kein Wunder, dass sich viele Twens wie gelähmt fühlen. Sie wissen nicht, wer sie sind, was sie eigentlich wollen und wo sie hingehören.

„Es geht weniger um eine verwöhnte Generation als um kulturelle Veränderungen“, sagt Robbins. Die Forschung habe diese Generation und ihr Problem bislang ignoriert, meint sie, und alles, was sie mit ihrem Buch wolle, sei, die Frage zu stellen, ob sich ein näherer Blick nicht doch lohnen könnte. „Wenn die Midlife-Crisis akzeptiert wird, muss man auch die Quarterlife-Crisis ernst nehmen. Denn es geht um eine ähnlich wichtige Veränderung im Leben.“