Rätsel MannDie Rallye-Diät

© Andrea Ege

Der Motor heult. Der Auspuff röhrt. Schlagloch. Abflug. Es kracht. Gelandet. Hält der Tank, die Ölwanne, die Achse? Und wenn ja, wie lange? Es kracht wieder. Nächste Landung. Das klang hart. Sehr hart. Hinterher erfahre ich: So hört es sich an, wenn die Federaufnahme bricht. Aber das weiß ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht … Gott sei Dank … Es geht weiter, immer weiter. Wie viele Runden haben wir schon? Im Stau vor der nächsten Kuppe brüllt ein anderer Fahrer: „Euer Auspuff hängt“. Tatsächlich. Florian springt aus dem Auto, reißt die Axt aus dem Werkzeugkasten und drischt auf das Rohr ein. Hau weg das Ding und weiter!

Die nächste Anhöhe streckt sich 7000 Meter hoch in den Himmel. Nicht geradlinig, nein, oben, kurz vor der Kuppe ist eine nette, kleine Schikane in Form einer stufigen Rechtskurve eingebaut. Das schaffen wir nicht, denke ich. Wieder falsch gedacht. Wir stoßen zurück, nehmen Anlauf. In voller Fahrt klingelt Florians Handy. Er fragt mich: „Soll ich rangehen?“ Ich reiße die Augen auf. Dann verstehe ich. Späßle. Wir jagen zwei Tonnen Stahl den Berg hoch. Unter Aufbietung der allerletzten Pferdestärke nehmen wir die Kuppe.

Geht doch, denke ich. Und: So fühlt es sich also an, wenn Adrenalin im Körper kocht. Mein Energieverbrauch im Sitzen: geschätzte 100 Kalorien pro Minute. Die Rallye-Diät. Große Klasse. Ich überlege, wie ich Flo dazu bringe, mich vor der nächsten Anhöhe aussteigen und hochlaufen zu lassen. Aber das geht wahrscheinlich nicht. Zu steil. Das schaffe ich nicht. Der G schon. Der schafft 80 Prozent. Sagt Florian. Das ist zu steil. Keine Chance für mich.