GrundsatzdebatteMann als Versorger?

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Sie arbeitet, er bleibt zu Hause, sie verdient, er wird mitfinanziert: Mittlerweile kommt dieser Rollentausch so häufig vor, dass er schon längst nicht mehr als besonders außergewöhnlich gelten dürfte. Aus einer aktuellen Studie des Statistischen Bundesamtes geht hervor, dass es bei 17 Prozent der kinderlosen Paare die Frauen sind, die das meiste Geld nach Hause bringen. Und selbst bei 10,5 Prozent der Paare mit Kindern verdient sie, nicht er die Miete und die Brötchen.

Walter Hollstein rechnet damit, dass in Zukunft noch viel mehr Männer die Ernährerrolle an ihre Frauen abtreten müssen: „Die Gründe dafür sind die Verknappung von Arbeit und die Emanzipation der Frauen. Frauen sind heute meistens besser ausgebildet als Männer und wollen ihre Kompetenzen auch beruflich umsetzen.“ Das belegen auch die Arbeitsmarkt-statistiken: In den vergangenen Jahren hat der Anteil der erwerbstätigen Frauen stetig zugenommen. Mittlerweile sind 45 Prozent aller Erwerbstätigen weiblich. Tendenz: weiter steigend.

Fallbeispiel: Anke und Beo

Diese Entwicklung verändert nicht nur die Arbeitswelt, sondern stellt auch die emotionalen Grundlagen von Liebesbeziehungen auf eine harte Probe – wie es der Fall der Synchronsprecherin und Schauspielerin Anke belegt. Als ihr Lebensgefährte Beo nach 14 Jahren seinen Job als Werber hinschmiss, um sich im Leben neu zu orientieren, entbrannten mitunter recht erbittert geführte Grundsatzdebatten.

Anke: „Ich hatte ein Problem mit seiner Einstellung, dass viel Geld zwar schön, aber eben nicht notwendig für ein schönes Leben ist. Ich wurde im Glauben daran erzogen, dass der Mann der Versorger ist und die Frau nicht für alles selbst aufkommen muss.“ Nun aber musste Anke mühsam lernen, ihrem Partner eine neue Rolle zuzugestehen – ironischerweise genau jene, die von der Tradition für Frauen vorgesehen ist: die Hausarbeit zu erledigen und darüber hinaus an der eigenen Persönlichkeit und Selbstverwirklichung zu feilen.

Zum gemeinsamen Einkommen kann Neo-Hausmann Beo kaum noch beitragen – gerade mal 300 Euro im Monat, Mieteinnahmen aus einer noch nicht abbezahlten Eigentumswohnung. Das ist deutlich zu wenig, um Anke öfter mal richtig schick zum Essen auszuführen oder sie in den Südafrikaurlaub zu begleiten. Doch statt ihn mitzunehmen, fliegt sie eben allein, und hin und wieder verabredet sie sich mit ihrem Ex, um sich von ihm ins Restaurant einladen zu lassen.

Ihre Devise: „Den Alltag finanziere ich ihm gern, den Luxus aber nicht. Schließlich bin ich nicht Mutter Teresa.“ Was Anke wohl im umgekehrten Fall dächte – falls er sie in den Ferien einfach zu Hause oder sich von seiner Ex ausführen ließe?