HausmannGesellschaftlich akzeptiert?

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Noch scheinen also nicht nur die Männer, sondern auch die Frauen gewaltige Probleme damit zu haben, die Neuverteilung ihrer Rollen gelassen und pragmatisch hinzunehmen oder in ihr sogar eine Chance zu erkennen. Auch Soziologe Hollstein weist auf die psychologischen Tretminen hin, mit denen Paare rechnen müssen, die ihre Zuständigkeiten neu festlegen: „Wenn ein Mann tatsächlich bereit ist, Haus- und Erziehungsarbeit zu übernehmen, nimmt ihn die Frau nicht selten als Weichei wahr. Der erfolgreiche Mann ist für viele Frauen immer noch attraktiver und erotischer.“
Nur wenige Paare meistern den Rollentausch.

Fallbeispiel: Britta und Paul
Paul und Britta zum Beispiel. Seit er vor zweieinhalb Jahren seine Stelle als Maurer verloren hat, lebt er ganz vom Einkommen seiner Frau. Unmännlich hat er sich deswegen nie gefühlt: „Ich finde, es ist eine positive Entwicklung, dass Frauen mehr als ihre Männer verdienen können und diese dafür eben auch mal zu Hause bleiben. Das sollte im Zuge der Emanzipation doch ganz normal sein.“

Sein gelegentlicher Frust rührt eher daher, dass er lieber eben doch arbeiten würde, statt seiner Frau jeden Abend ein tolles Essen zu kochen. Aber bei über fünf Millionen Arbeitslosen sind Jobs nun mal rar. „Dafür verbringe ich einen Teil meines Tages nun mit Dingen, die mich weiterbringen, für die ich aber vorher nie Zeit hatte.“

Schwierigkeiten haben sie allerdings damit, dass ihre Bekannten nicht allzu viel Verständnis für Pauls Lage aufbringen: „Die meisten fragen mich, was ich den ganzen Tag mache und wie ich das bloß aushalte. Aber was ich mache, ist für mich Arbeit. Immerhin kümmere ich mich ja um den ganzen Haushalt.“

Fallbeispiel: Jörg
Und auch Jörg, der Ex-Marketingleiter und Neu-Hausmann, berichtet von der Skepsis, die ihm in seinem Freundeskreis entgegenschlägt: „Ich habe immer wieder das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen. Was ich den ganzen Tag mache, warum ich etwas mache. Zum Beispiel, warum ich für unser Haus neue Rollläden kaufe, obwohl ich doch gar kein eigenes Geld verdiene.“