RollentauschZahlen für den Mann

Davon haben Frauen immer bloß geträumt: Nach einem schier endlosen Arbeitstag schließen sie die Haustür auf, und der Duft ihres Lieblingsgerichts weht ihnen in die Nase. Der Mann hat die Kinder schon zu Bett gebracht, die Wohnung blitzblank geschrubbt, den Wein perfekt temperiert und liebevoll den Esstisch gedeckt. Jetzt müssen sie sich nur noch zurücklehnen und den Feierabend genießen.

Sabines Alltag kommt diesem Traum schon recht nahe. Während die 38-Jährige als Einkäuferin bei einem Textilunternehmen für das Geld auf dem Familienkonto sorgt, managt ihr Mann Jörg den Haushalt und die drei Kinder. Freiwillig ist dieser Rollentausch allerdings nicht vonstatten gegangen: Vor zwei Jahren wurde der Marketingleiter arbeitslos. 100000 Euro Jahreseinkommen einfach futsch.

Damals war gerade das dritte Kind geboren, Sabine in Elternzeit, ein Haus gekauft, der Schock entsprechend groß. Seitdem sucht der 40-Jährige eine neue Stelle, bisher jedoch erfolglos. „Als unsere Rücklagen knapper wurden, habe ich zu ihm gesagt: Wenn du sowieso den ganzen Tag zu Hause bist, kann doch ich wieder arbeiten, und du kümmerst dich um Kinder und Haushalt. Zumindest so lange, bis du wieder einen Job gefunden hast“, erzählt Sabine. Und so wurden die beiden eines von den rund anderthalb Millionen Paaren in Deutschland, die in den Statistiken unter „Ehefrau erwerbstätig, Ehemann erwerbslos“ geführt werden.

Das klappt nicht immer ohne Probleme, gibt Sabine zu: „Mein Mann ist mit der Hausarbeit alles andere als glücklich, geschweige denn gefordert. Am Anfang, als er noch dachte, das sei nur vorübergehend, hat er sich richtig reingehängt. Jetzt, da immer noch kein Ende in Sicht ist, wird er aus Frust nachlässiger."