SehnsuchtEinen Porsche fahren

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Sabrina Zoller, 31

Die hartnäckigsten Träume stammen aus der Kindheit. Die meisten Menschen schütteln sie irgendwann ab und kommen sich erwachsen vor. Der Internet-Expertin aus Hamburg ist das nicht gelungen. Sie wusste: Ohne Sportwagen würde sie nie restlos glücklich sein können.

Es gibt ein Foto von mir, darauf bin ich vier Jahre alt. Stolz stehe ich neben dem gelben Porsche meines Opas. Als Opa starb, hat er mir einen kleinen Modell-Porsche vererbt. Anscheinend liegt die Liebe zu Sportwagen in meinen Genen. Doch selber einen haben? Das kam mir völlig unrealistisch vor.

Mein Freund, der auch einen Sportwagen fährt, hat mich vor anderthalb Jahren überredet, eine Probefahrt zu machen. Unglaublich! Wie er um die Kurven glitt, wie der Motor im Rücken vibrierte, was für eine Power in diesem Wagen steckte. Es hatte mich gepackt. Ein ganzes Jahr lang checkte ich immer wieder meine Finanzen und überlegte hin und her. Ist es nicht besser, einfach nur weiterzuträumen? Passt so ein Auto überhaupt zu mir? Werden die Leute nicht alle plötzlich denken, ich sei so ein dummes Luxus-Girl? In einer meiner Gehirnhälften saß ein Engelchen und in der anderen ein Teufelchen. Das Engelchen sagte: Sei vernünftig. Leg dein Geld an und kauf dir eine Eigentumswohnung. Das Teufelchen dagegen schrie: Trau dich! Hab Spaß! Tu es!

Nach der zweiten Probefahrt hatte das Teufelchen gewonnen. Im März habe ich den Wagen in Stuttgart direkt vom Werk abgeholt. Mein Herz hat richtig laut gepocht. Die Sonne schien und ich bin mit offenem Verdeck und 220 km/h über die Autobahn gesaust. Inzwischen habe ich zwar eine Paranoia vor Kratzern und muss bei Kleidung und beim Ausgehen mehr auf den Preis schauen. Doch wenn ich Gas gebe, dann weiß ich: Es lohnt sich, einen Traum zu leben.