SexDas Comeback

Text: Constanze Kleis
© Stockbyte

Die nötigen Informationen sollten eigentlich irgendwo zwischen „Radfahren“ und „Lidstrichziehen“ liegen, im sogenannten prozeduralen Gedächtnis, wo laut Hirnforschung die Bewegungsabläufe gespeichert werden. Aber da liegen keine neuen Informationen. Da liegt nur „Sex mit Udo“ und nicht „Sex mit Martin“. Kein Wunder, Sex mit Udo hatte man ja ausreichend trainiert, bevor man sich von ihm trennte.

„Sex mit Martin“ dagegen steht erst kurz vor der Premiere. Besser gesagt: Die Premiere steht schon eine Weile bevor. Noch ein paar Verabredungen mehr und er wird denken, man habe ein Enthaltsamkeitsgelübde abgelegt. Dabei hat man nur Angst. Weil das Sex-Comeback nach einer langen Beziehung und einer kurzen Durststrecke natürlich perfekt sein sollte. Aber was ist heutzutage perfekt, wenn es um Sex geht?

Man weiß es nicht, weil man vielleicht das letzte Mal vor der Einführung des Euro mit einem neuen Mann geschlafen hat und eine Beziehung ja fast so etwas wie eine Zeitkapsel ist. Man liegt da drin, schön gemütlich, manchmal auch ein bisschen langweilig, während draußen in den Single-Betten die aufregendsten Dinge passieren.

Kann ja sein, dass der Sex in der Zwischenzeit mehr komplette Make-overs erfahren hat als Demi Moore. Was ist aus dem höflichen Abschied an der Haustür geworden? Geht man heute einfach sofort miteinander ins Bett? Wie trägt man jetzt die Schamhaare? Trägt man sie überhaupt noch? Brauche ich ein paar neue Vokabeln oder komme ich noch durch mit „Du bist sooo gut“?

So muss sich der Antiheld in Woody Allens Film „Der Schläfer“ gefühlt haben, als er nach 200 Jahren Tiefkühlkoma wieder aufwacht und sich in Luna, eine Frau der Zukunft, verliebt: in Sachen Sex auf dem gleichen Entwicklungsstand wie das rumänische Raumfahrtprogramm.

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