Sex on the JobWie alles begann

© Kung Shing

Wäre Kristianes Karriere eine Aktie, man hätte nicht schlecht verdient an ihr in den vergangenen zwei Jahren. Als sie damals als Aushilfssekretärin beim Direktor der Bank anfing, stand ihr Wert bei null. Schwangerschaftsvertretung sollte sie machen – ausgerechnet auch noch für ihre beste Freundin. Die hatte beim Chef bereits von ihr geschwärmt. Freundlich sei sie, unwahrscheinlich hilfsbereit und sehr patent.

Nach wenigen Wochen saß sie bereits so fest auf dem Vorzimmer-Stuhl, dass ihre Freundin nicht mehr in ihren alten Beruf zurückkonnte. Sie wurde versetzt. „Ich habe ihn einfach überzeugt“, glaubt Kristiane, und das sagt sie in einem Ton, bei dem man nicht weiß, ob er naiv oder berechnend klingt.

Man kommt vor allem deshalb ins Grübeln, weil Kristiane nicht der typische Vamp ist. Sie ist ein wenig zu dick, trägt ein brav-graues Kostüm und eine Perlenkette. Ihre dunkelbraunen Haare sind akkurat zurechtgetufft. Überzeugend also. Aber mit welchen Qualitäten? Termine organisieren und Telefonate durchstellen gehören zur Stellenbeschreibung einer jeden Vorzimmerdame.

Kristiane aber blieb abends auch mal länger, stellte montags frische Blumen („Lilien mag er besonders!“) auf den Schreibtisch. Das kam gut an. Sie hatte es geschafft, auf sich aufmerksam zu machen. Nicht als Mitarbeiterin, sondern als Frau. Ihr Wert stieg.