„Aber wir kriegen sie trotzdem“Strategische Verführung

© Jung von Matt

Karen Heumann, Jung-von-Matt-Vorstand und „Werberin des Jahres“, weiß, wie man Verführung strategisch angeht.

AMICA: Wie erregt man Aufmerksamkeit?
Karen Heumann: Indem man Dinge anders macht. Wer nicht auffällt, ist nicht interessant. Das hat nicht immer mit Lautstärke zu tun. Wenn alle schreien, ist es interessanter, wenn jemand flüstert. Man kann auch dadurch auffallen, dass man unerwartete Orte wählt. Werbung kann man auch auf Bürgersteige kleben.

AMICA: Übersetzt: an Orten flirten, wo es keiner erwartet.
Heumann: Ja. Unerwartet sein, überraschen.

AMICA: Zwei klassische weibliche Methoden, Interesse zu wecken, sind das Modell Titten/kurzer Rock und die Methode Myste-riös/Distanziert. Funktioniert das in der Werbung auch so?
Heumann: Das Modell „kurzer Rock“ funktioniert ganz gut (lacht). Vorausgesetzt, die Zielgruppe sind Männer. Allerdings: Wir haben mal einen Werbefilm getestet, in dem Frauen sehr sexy tanzen, und Männer sollten hinterher sagen, woran sie sich erinnern. In der Rangliste „große Brüste“, „braune Haut“, „pink Bikini“ kam erst auf Platz 50 das Produkt, um das es ging.

Bei der Strategie „kurzer Rock“ bleibt also oft nur die Message „kurzer Rock“ hängen, sonst nichts. Es kommt also darauf an, ob der Empfänger die Message dechiffrieren kann. Wir Werber sind immer wieder erschüttert, wie wenig verstanden wird. Wie in der Liebe: Da werden mühsam CDs gebrannt und man denkt, ist doch klar, was ich ausdrücken will, und dann …