Paranoia hemmtWerbung und Manipulation

© Jung von Matt

AMICA: Funktioniert vergleichende Werbung? Darf man gegen Konkurrenten schießen?
Heumann: Es gibt Länder, wo die offene Konkurrenz durchaus Sex hat, die USA zum Beispiel. Hierzulande vergleicht man sich auch ständig und ist neidisch, aber es ist trotzdem unakzeptabel, es zu zeigen. „Guck mal, ich habe ein C-Körbchen, die hat nur B“ – wer das versucht, ist auf dem falschen Ast.

AMICA: Verführung hat oft die unangenehme Konnotation von Manipulation, jemanden gegen seinen Willen zu etwas bewegen.
Heumann: Dass das ganze Leben Manipulation ist, dass man ständig verführt wird und auch froh darüber sein kann, weil es sonst stinklangweilig wäre – diese Vorstellung ist uns Deutschen nicht wirklich nahe. Die einzige Art, mit Verführung umzugehen, ist zu wissen: Klar will man was von mir, ich guck mir das jetzt an und dann entscheide ich, wie ich damit umgehe. Mit unserer Paranoia haben wir uns in eine verkrampfte Stachelhaltung begeben.

AMICA: Ist es ein Problem des Selbstbewusstseins, immer das Schlimmste zu vermuten und das Übelste zu befürchten?
Heumann: Ja. Ich finde es toll, wenn Leute versuchen, mich zu verführen. Das Schlimmste wäre, wenn das keiner versuchen würde, wenn sich niemand für dich interessiert, dich keiner anspricht.