Sex-Mythen Keine Lügen über die Liebe

S. 1/6

 

Konventionen und Erziehung machen es uns oft schwer, neue Wege zu gehen und andere Formen der Leidenschaft kennen zu lernen. Wir räumen mit sechs Sex-Irrtümern auf und bewahren so vielleicht die ein oder andere vor nutzlosem Hoffen oder sinnlosen Opfern.
Text: Claudia Casagrande
Konventionen und Erziehung machen es uns oft schwer, neue Wege zu gehen und andere Formen der Leidenschaft kennen zu lernen. Wir räumen mit sechs Sex-Irrtümern auf und bewahren so vielleicht die ein oder andere vor nutzlosem Hoffen oder sinnlosen Opfern.
© Creatas
Übung hilft – wenn nicht gibt es Sextherapien

Sie trifft ihn, doch der erste Kuss fühlt sich nicht so erotisch an wie erhofft. Kein Tasten oder vorsichtiges Knabbern, keine langsame Steigerung der Leidenschaft. Nein, er vollführt viel lieber wilde Zungenschwünge in ihrem Gaumen. Sie wartet aus Angst vor Verletzungen mit halb geöffnetem Mund ab. Dennoch ist sie weiterhin sehr begeistert von ihm und denkt: „Den perfekten Kuss kann ich ihm noch beibringen.“

Möglich – Kusstechniken lassen sich verändern, sofern er das einsieht und sie es versteht, ihm ihre Verbesserungsvorschläge so zu vermitteln, dass er sich nicht wie ein Versager auf ganzer Linie fühlt. Doch was, wenn auch der spätere Sex nicht nach ihren Vorstellungen verläuft?

Statt sie sanft zu streicheln, quetscht er ihre Brüste, anstatt gemeinsam mit ihr den Höhepunkt zu erreichen, genießt er seinen Orgasmus bereits nach wenigen Minuten. Sie bleibt unbefriedigt, ist sich aber sicher, dass das beim nächsten, übernächsten oder eben überübernächsten Versuch viel besser klappen wird.

Doch hier irrt die Betroffene – zumindest teilweise. Sicher kann er mit ihr oder einem Therapeuten lernen, seinen Orgasmus hinauszuzögern. Das Paar löst möglicherweise in der Therapie Probleme, die zwischen ihnen stehen. Beim nächsten Sex kann sie ihm auch zeigen, wo sie Berührungen besonders elektrisieren – aber nur, wenn er nicht bereits ein paar Jahre Praxis hinter sich hat. Schlechte Angewohnheiten, die sich eingeschliffen haben, lassen sich nicht so einfach ändern.

Hinzu kommt: Wenn jemand keine Begabung hat, wird er auch durch eine geduldige Lehrerin kein heißer Latin Lover. Ein gewisses Potenzial muss, wie bei jeder anderen Tätigkeit auch, vorhanden sein!

Bevor Sie sich also an einen Partner binden, mit dem Sie keinen Spaß im Bett haben, bedenken Sie: Ein erfülltes Sexualleben ist wichtig, und wenn er keinen Drive hat, wird er den auch nie mehr entwickeln.
Religionslehrer  |  06.02.2012, 18:03
Selbstbefriedigung und Kirchen
Die Bewertung von Selbstbefriedigung (Masturbation) durch die christlichen Kirchen ist nicht einheitlich. Für die evangelisch-lutherische und die neuapostolische Kirche ist Selbstbefriedigung keine Sünde. Die römisch-katholische Kirche hingegen sieht in SB eine "absichtliche Erregung der Geschlechtsorgane, mit dem Ziel, geschlechtliche Lust hervorzurufen", wie auch in jeglichem freiwilligen, außerehelichen "Gebrauch der Geschlechtskraft" eine "in sich schwere ordnungswidrige Handlung". Allerdings werden in der Seelsorge Faktoren wie "affektive Unreife, die Macht eingefleischter Gewohnheiten, Angstzustände und weitere psychische oder gesellschaftliche Faktoren" berücksichtigt, "welche die moralische Schuld vermindern oder sogar auf ein Minimum beschränken können." (Katechismus der Katholischen Kirche, KKK, Nr. 2352). Dieser Einstellung sind auch evangelikale Kirchen und fundamentalistische christliche Gemeinschaften sowie Sondergruppierungen wie die Mormonen verfallen.

Religionslehrer  |  04.02.2012, 15:14
Masturbation in Kirche und Wissenschaft II
All diese Krankheitsbehauptungen wurden von den modernen Wissenschaften vollständig widerlegt. Nach Erkenntnissen der heutigen Medizin, Psychologie und Sexualwissenschaft ist SB eine eigenständige und wertvolle Form der Sexualität. Der Sexualtrieb ist uns Menschen angeboren und wir behalten ihn ein Leben lang. Er ist nicht auf den ehelichen Geschlechtsverkehr beschränkt. Schon Embryos im Mutterleib berühren ihre Geschlechtsteile. Das beweisen Ultraschallaufnahmen. Für Jugendliche ist SB willkommene Triebabfuhr und Einüben ihrer Sexualität. Erwachsene können durch SB ihr Sexualleben bereichern, und für viele, vor allem Frauen, ist sie ein gutes Orgasmustraining. Sexualtherapeuten verordnen SB gegen Orgasmusprobleme und vorzeitigen Samenerguss. Nach einer australischen Studie senken fünf Ejakulationen in der Woche das Prostatakrebsrisiko von Männern um ein Drittel.

Religionslehrer  |  04.02.2012, 15:01
Die Masturbation in Kirche und Wissenschaft I
Lange Zeit wurde von den Kirchen die alttestamentarische Onan-Geschichte (1. Mose 38, 1-10) als "Beweis" für die Sündhaftigkeit der "Onanie" herangezogen. Onan vollzog jedoch keine Selbstbefriedigung, sondern Coitus interruptus, also Empfängnisverhütung. Er wollte seinem verstorbenen Bruder und dessen Witwe keine Nachkommen hinterlassen (Leviratsehe) und verstieß damit gegen die jüdische Sitte und das Gebot Gottes. Für seinen Ungehorsam wurde er von Gott mit dem Tode bestraft. Selbstbefriedigung wurde jahrhundertelang von Medizinern, Pädagogen, Philosophen und Kirchenvätern unterdrückt. Zahlreiche Krankheiten wurden ihr zugeschrieben: Akne, Gehirnerweichung, Rückenmarksschwund, Tuberkulose oder Lepra sollten die Folgen des Masturbierens sein. Ausgeklügelte Apparaturen zur Verhinderung der Onanie wurden entwickelt, und zahlreiche Mädchen und Frauen in Europa und den USA mussten Klitoridektomien zur "Behandlung" der Masturbation über sich ergehen lassen.
Kommentar schreiben
Name
Überschrift
Ihr Kommentar