Spirituelle LiebeMieses Karma

Text: Mark van Huisseling
© Colourbox.de

Was denkt ein Mann, wenn seine neue Freundin plötzlich ihre spirituelle Seite zeigt? Zuerst wird er sich und seinen Freunden sagen, das sei gar nicht so schlecht. Was ist schon schlimm daran, dass sie seine Aura sehen kann? Oder wenn sie ihm anvertraut, dass sie eine Hexe sei, eine gute natürlich. Und von früheren Leben erzählt. Wenn sie seine Chakren öffnen möchte …

Der Mann wird sich anfangs einreden, dass es kein Zufall ist, dass er gerade sie kennengelernt hat. Vielmehr könnte es sein, dass er diese spirituelle Seite, die er ganz bestimmt ebenfalls hat, zulassen muss. Dass es ihm gut tun, ihn weicher, schöner, vollkommener machen wird. Seine Freunde werden sagen: „Vermutlich ist sie nicht so materialistisch wie deine letzte.“ Wenn es sich um gute Freunde handelt, werden sie sagen, dass jede Frau in einem gewissen Alter etwas exzentrisch wird. Und es ihn härter hätte treffen können, mit einer Veganerin und Tierbefreierin zum Beispiel. Oder einer, die schnarcht.

Ich weiß, wovon ich schreibe. Ich habe es gesehen, erlebt, war dort. Bevor es nun intimer wird, ein paar Angaben zu meiner Person: Ich bin ein normal fühlender Mann, Single zurzeit, was besser klingt als geschieden. Es gibt angeblich Männer, die sich gern ihre Chakren öffnen lassen würden, die auch Astralwesen oder Engel sehen. Nur bei mir und den Männern, die ich kenne, ist das nicht so. Normal fühlend eben.

Und die Restoffenheit für solche Sachen habe ich vor einiger Zeit an der Garderobe abgegeben. Nachdem ich Sting, den Popstar und angeblichen Sexgott, interviewt und auf dessen Äußerungen zu „tantrischem Sex“ angesprochen habe. Von „tantric sex“ habe er nie im Leben gesprochen, sagte er, sondern von „frantic sex“. Also nicht erleuchtetem, sondern wildem Sex. Sogar Sting ist ein normal fühlender Mann.