Interview mit Désirée Nick„Geliebte zu sein war für mich besser als nichts“

von AMICA Online Redakteurin
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Wo der Name Désirée Nick fällt, ist der Ausdruck „spitze Zunge“ nicht weit. Die Entertainerin spricht öffentlich aus, was andere nur heimlich denken. „Der hat so ein faltiges Gesicht, ich möchte mal wissen, wie verschrumpelt seine Eier aussehen“, lästerte sie etwa über Dieter Bohlen. Heidi Klums „Germanys next Topmodel“-Moderationen bezeichnete sie als „zellulitis- und humorfreie Zone“ und mit Eva Hermanns Anti-Emanzipations-Theorien rechnete sie auf 176 Seiten in „Eva go home“ ab. Als „Missionarin der Mütterlichkeit“, „Kalenderblattphilosophin“ und „Teilzeithobbywissenschaftlerin“ beschimpfte sie die ehemalige Tagesschausprecherin.

Doch über kaum ein Thema regt sich die 56-Jährige mehr auf, als Beziehungen und Seitensprünge. Sie echauffiert sich so sehr, dass man als Gesprächspartner fast das Gefühl bekommt, am ganzen Monogamie-Dilemma schuld zu sein. Nach Veröffentlichung des Buches „Liebling ich komm später“ arbeitet die Satirikerin nun auch noch als Botschafterin des Fremdgehportals Ashleymadison.com.

Mit AMICA Online sprach Désirée Nick darüber, was Menschen in Doppelleben drängt und schilderte außerdem ihre eigenen Erfahrungen als Betrogene und Geliebte.

© Colourbox.de

AMICA Online: Sie sind also für Seitensprünge?
Désirée Nick:
Nein, ich bin für perfektes, ewiges Glück auf Wolke Sieben. Allerdings werden wir so alt wie nie zuvor, sind mobil, vernetzt und haben viel mehr Möglichkeiten attraktiv zu bleiben Die Formulierung „Bis dass der Tod euch scheidet“, stammt aus einer Zeit, in der man 40 bis 50 Jahre alt wurde. Bei dem heutigen Lebensstil wissen die Leute schon nach 10 bis 15 Jahren nichts mehr miteinander anzufangen.

Geben Sie der Monogamie keine Chance?
Niemand sollte so töricht sein zu glauben, er sei der letzte Partner im Leben des Anderen. Das wäre ja die Todsünde Hochmut. Ob der vorher zehn Jahre lang treu war, ist auch kein Indiz für die Zukunft. Irgendwann gehen sie alle fremd.

Aber es gibt doch mit Sicherheit Ausnahmen.
Wer dieses perfekte Glück lebt – Gratulation, der braucht Ashleymadison.com nicht! Aber für die restlichen 90 Prozent, bei denen Lüge, Depression und Frust mitfrühstücken, bietet das Forum eine gute Möglichkeit die Erotik aus der Ehe outzusourcen. Das Wort Fremdgehen kommt schließlich von „Entfremdung“.

© Mark Huss / Mhuss-Photography
Comedian Désirée Nick bei der Modenschau von Guido Maria Kretschmer

Wäre Scheidung nicht die moralisch bessere Lösung?
Es geht nicht um Moral, sondern um wirtschaftliche Abhängigkeiten und gesellschaftliche Zwänge. Eine Scheidung erfordert Mut, Rückgrat und finanzielle Unabhängigkeit! Der Besserverdienende muss den schlechter Verdienenden plus die Kinder bis ans Lebensende unterstützen. Ich selbst erlebe in meinem nächsten Umfeld viele Ehen, die nur noch Zweckgemeinschaften und Versorgungsehen sind. Trotzdem sagen sich die Partner „Ich würde mich niemals scheiden lassen“. Dieser Zustand drängt die Leute förmlich in Doppelleben.

Und Sie unterstützen sie dabei.
Ich habe die Untreue weder erfunden, noch rufe ich dazu auf. Aber sie war immer da. Ashleymadison.com bietet einen Raum, der Diskretion und Schutz vor falschen Erwartungen gewährleistet. Ehemänner müssen sich nicht als Singles ausgeben oder Mütter als kinderlos. Falsche Hoffnungen gibt es da nicht, Grenzen sind eindeutig gezogen. Alles dreht sich um Erotik, Sex und Romantik. Ist doch besser als mit dem Arbeitskollegen, dem Nachbarn oder der besten Freundin der Ehefrau etwas anzufangen.

Sind Seitensprünge vielleicht sogar gut für eine Partnerschaft?
Ja, der betrogene Teil müsste eigentlich ein Dankschreiben an die neue Liebe schicken. Wenn der Alltag nur aus Sklavendiensten wie „Hol‘ die Kinder ab“ oder „Bring das Altglas weg“ besteht und die Erotik längst gekillt ist, sind die Partner unausgeglichen und depressiv. Plötzlich aber ist der Ehemann wieder ausgeglichen, aufmerksam und fröhlich. Der aufgeplusterte Platzhirsch achtet wieder auf sich, kauft neue Boxershorts, geht zum Friseur und bringt aus schlechtem Gewissen vielleicht sogar Blumen mit. Die Olle zu Hause freut sich dann über ihren tollen Hecht, aber die Ursache für seine Veränderung ist die Geliebte.

Sollte er die verheimlichen, oder lieber alles beichten?
Manchmal bedarf es gar keiner Erklärung mehr für den Status der Beziehung. Wenn ein Ehepartner gar nicht spürt, dass er betrogen wird, ist das doch schon der Nachweis dafür, dass sämtliche Antennen verkümmert sind. Wer jahrelang betrogen wird und nichts bemerkt, ist doch eh schon so entfremdet, dass er sich lieber fragen sollte, warum der Partner überhaupt das Bedürfnis hat fremdzugehen. Tatsächlich wäre es das Beste miteinander zu sprechen, der Wahrheit ins Auge zu blicken. Zu sagen „Du bist nicht mehr die Person, die ich geheiratet habe, lass uns eine offene Ehe führen“, erfordert Toleranz, Intelligenz und Aufrichtigkeit – ausgelaufene Ehemodelle werden aber meist von Feigheit begleitet. Also meidet man die Wahrheit und schiebt die Kinder als Alibi vor.

Und wie reagieren Sie, wenn Ihr Partner plötzlich anders riecht und Blumen mitbringt?
Ich bin eine jener Frauen, die dafür die nötigen Antennen haben und wache schon auf, wenn mein Partner im Kopf mit einer anderen schläft. Wenn mir in so einer Situation etwas schwante – und ich sage Ihnen, es gab keinen Mann, bei dem das nicht passiert wäre – habe ich ihn darauf angesprochen. Dann erfährt man welchen Charakter ein Mann wirklich hat: Aufrichtigkeit und Anstand begegnet man selten. Es gibt nichts Erbärmlicheres als betrogene Frauen, die so tun als wäre nichts gewesen und sich jahrelang an ihr Wolkenkuckucksheim klammern.

Wie schaffen es einige Menschen wohl treu zu bleiben?
Das mag an der Nachfrage liegen. Die meisten gehen nur aus Mangel an attraktiven Angeboten nicht fremd. Wenn keiner fragt, ist es keine Kunst treu zu bleiben. Aber wenn dann Mr. oder Mrs. Right auf der Matte steht, ändert sich das oft ganz schnell.

Désirée Nick - Seite 2

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„Geliebte zu sein war für mich besser als nichts“
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LexxTheDuck  |  09.03.2013 18:01
ach seufz
Es war fast klar, dass die Frau, die ich lange Zeit für einen überschminkten Transvestiten gehandelt habe (bis ich herausfand dass sie Religionslehrerin war), den Unterschied zwischen Cellulite und Cellulitis nicht kennt. Was sich mir jedoch verschließt ist, warum man ihr gehässiges Trivialgeschwafel ständig ans Tageslicht zerrt. Also moralisch gesehen. Dass da wieder ein neues Buch in der Mache ist und der Unterhalt vom adligen Ex wohl die Botoxexzesse nicht mehr deckt, ist bloß das Sahnehäubchen auf diesem medialen Haufen.

Alex  |  15.02.2013 05:54
Als
Geliebte hat ihr wenigstens jemand zugehört! Aber gottseidank ist der Typ aus dem Koma aufgewacht...

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