New MonogamyRegeln für die Treue

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Aber klappt so etwas wie ein sanktionierter Seitensprung? Und ist es nicht Selbstbetrug, überhaupt noch von Monogamie zu sprechen? Genauso gut könnte man die Beschränkung auf Bisonfleisch, Flugenten und Kälber unter zehn Monaten „Neuen Vegetarismus“ nennen.

Einen ähnlichen Versuch, die Grenzen der Treue zu dehnen, hat es schon mal in den 70er-Jahren gegeben, als Swingerclubs, Schlüsselpartys und offene Ehen erprobt wurden. Mit der Erkenntnis, dass vor allem Männer von der Freiheit profitierten, hatte sich das Experiment schnell wieder erledigt. Doch jetzt ist alles anders: Paare binden sich immer später aneinander, wechselnde Sexpartner gehören zur Standardbiografie und SMS, E-Mails, Chats und Partnerbörsen suggerieren ohnehin World Wide Sex. Ohne Regeln kommt auch die neue abgesprochene Treue nicht aus.

In den USA kursieren leicht absurde Formen wie „Clinton-Monogamie“ (Oralsex ist kein Betrug) oder „Taillen-Monogamie“ (alles oberhalb ist erlaubt). Weitere Spielarten: die Vampir-Regel (wenn beide in derselben Stadt sind, muss man bis zum Morgengrauen wieder zu Hause sein), die Postkarten-Regel (wenn man ein Date mit einem anderen hat, muss man ein Foto mit nach Hause bringen), die Latex-Regel (Sex außer Haus nur mit Kondom) und die 50-Kilometer-Regel (nie mit jemandem aus der eigenen Stadt schlafen). Wenn man das alles getreulich befolgt, wird die Lust auf Fremdes schnell in ein neues Korsett gezwängt: Die Hand darf nur bis hierhin und nicht weiter, der Überwachungsstaat wohnt im eigenen Kopf und zu Hause herrscht strenge Berichtspflicht. Und so soll sich sexuelle Freiheit anfühlen?

You touch, you die

Ganz abgesehen davon, dass die Rechnung oft nicht aufgeht. Klar kann ein Paar im Modern-Love-Rausch verabreden, Dritte wie Fleisch gewordene Sextoys in die Beziehung zu lassen. Aber ob sich die Dritten mit dieser Rolle begnügen, ist die große Frage. Und auch, ob sich nicht doch wieder herausstellt, dass man zwar viel reden, am Ende aber nur eines fühlen kann: dass das Herz längst nicht so flexibel ist, wie man sich das in seinen aufgeklärten Träumen wünscht. Und dass doch wieder die einfachste Regel von allen siegt: „You touch, you die.“

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Regeln für die Treue