New MonogamyTreue ohne Reue

Text: Frauke Jansen
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„Monogamie ist unmöglich für interessante Leute“, hat Erica Jong mal gesagt. Offenbar ist sie auch unmöglich für uninteressante Leute: Gut die Hälfte aller Ehen scheitern, es scheint also etwas nicht zu funktionieren an der Idee der lebenslangen Monogamie. Sollte man sich deshalb nicht einfach davon verabschieden?

Das ist jedenfalls die Grundthese der New Monogamy, die derzeit durch den angloamerikanischen Zeitgeist schwappt. Zentral ist dabei ein neuer, etwas gedehnter Begriff von Treue: Die war bislang so elementar für die Definition einer Beziehung, darüber wurde nicht diskutiert. Jetzt schon: Könnte man mit dem Partner nicht auch einen anderen Deal verabreden? Du darfst was, ich darf was, und an der langen Leine leben wir beide glücklicher? Was man darf, ist Sache jedes Paares. In manchen Fällen ist es vielleicht die Vereinbarung, einander harmlose Flirts zu gönnen und
damit die Sehnsucht nach dem Fremden in homöopathischen Dosen in die Beziehung zu injizieren, eine Art Schutzimpfung gegen eine Affäre. Oder man legt fest: Küssen ja, Sex nein. Oder Sex ja, aber ich will genau wissen, was passiert. Getreu der Einsicht: Die Wahrheit tut weh, die Lüge noch mehr.

Aber klappt so etwas wie ein sanktionierter Seitensprung? Und ist es nicht Selbstbetrug, überhaupt noch von Monogamie zu sprechen? Genauso gut könnte man die Beschränkung auf Bisonfleisch, Flugenten und Kälber unter zehn Monaten „Neuen Vegetarismus“ nennen.

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Treue ohne Reue