UntenrumWie nennt’s der Deutsche?

© Maria Tokio

So viele Worte es für die Welt zwischen dem Hosenbund und den Oberschenkeln gibt, so schwierig ist ihr Gebrauch. „Es herrscht immer noch das alte Tabu, über Sexualität zu reden“, sagt der Pädagoge und Sexualwissenschaftler Norbert Kluge von der Universität Koblenz/ Landau.

Kaum zu glauben, wenn man abends durch die Fernsehkanäle zappt. Doch diese Präsenz in den Medien habe nur wenig mit dem Sprechen über Sexualität zu tun, meint Kluge. „Je intimer es wird, desto häufiger fehlen die Worte. Oder es fallen Worte wie weibliche Scham, die völlig überholt sind.“

Vor nunmehr neun Jahren hat er 1500 Deutsche befragen lassen, wie sie über Sex reden, und der Umfrage folgten umfangreiche Studien zum Thema. Kluge selbst verwendet seither am liebsten die Begriffe Scheide und Penis, die allgemein bevorzugten Ausdrücke. Eindeutig ist das bei der Scheide, die sieben Erwachsene von zehn so nennen. Bei Männern fällt das Ergebnis nicht so klar aus, weil ältere Befragte mehr zum Glied, die jüngeren aber eher zum Penis neigen. „Der Penis hat in den vergangenen Jahren deutlich aufgeholt“, sagt Kluge. Der Sexualwissenschaftler hat noch mehr herausgefunden.

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Doppelt so viele Männer wie Frauen verwenden in der Öffentlichkeit vulgärsprachliche Begriffe, wenn es um den Intimbereich geht. Frauen sprechen auf diese Art nur im Freundeskreis. Dass sich Jugendliche nicht an die Konventionen halten, muss nicht verwundern, dass es der Berliner viermal derber als der Pfälzer mag, hingegen schon.

Und wo im Westen Deutschlands von der Ritze oder dem Dödel die Rede ist, spricht man im Osten auch schon mal von der Mizinka oder vom Bobik. Kluge nennt solche Umschreibungen „Kuckucksbegriffe“. Wer redet im Bett (oder wo auch immer) schon von Scheide und Penis, von Vagina und Glied? Die wohl am häufigsten verwendeten Worte sind immer noch „er“ und „sie“. Nicht schön, aber wenn es darum geht, Peinlichkeiten zu vermeiden, gibt es ja noch die zahlreichen Kosenamen, die sich Liebende eben geben. Die Balance zwischen eigener Lust und Etikette lässt sich immer noch am besten individuell herstellen.

Der Sexologe Kluge meint: „Wichtig ist nicht, welchen Begriff Sie gebrauchen. Wichtig ist, überhaupt einen Begriff dafür zu haben und darüber zu reden.“

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Wie nennt’s der Deutsche?