Scheidungsexperte zu Rafael und Sylvie„Für Promis ist eine Scheidung die beste Publicity“

von AMICA Online Redakteurin
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© dpa/Malte Christians
Nach mehr als acht Jahren geht die Ehe zwischen Sylvie und Rafael van der Vaart offiziell zu Ende.
Erst war es die große Liebe, dann kam der große Krach - und beides sehr öffentlich. Ein Jahr lang durfte ganz Deutschland das Liebes-Wirr-Warr der van der Vaarts bis ins kleinste Detail miterleben: Neue Partner, Sexgerüchte, eine beste Freundin, die zur Feindin wurde, ein Sohn, der zwischen den Stühlen steht, und zwei Ex-Partner, die sich nur noch wenig zu sagen haben. Doch heute hat die öffentlich gelebte Trennung ein - zumindest offizielles - Ende. Die Scheidung ist endlich rechtskräftig und Sylvie van der Vaart wird in Zukunft wieder Sylvie Meis heißen. Doch warum mussten die van der Vaarts ihre Trennung so öffentlich ausleben? Und was waren wohl ihre größten Streitpunkte? Das Geld? Sabia Boulahrouz? Immobilien? AMICA Online hat einen Mann gefragt, der sich mit Scheidungen auskennt wie kein anderer. Andrew Kisitu ist Deutschland erster und einziger Divorce Planner. Zusammen mit einem Team von Anwälten und Psychologen verhilft er Paaren zu einer harmonischen Scheidung. Mit uns sprach der Scheidungsplaner über seinen ungewöhnlichen Job, die heftigen Auseinandersetzungen zwischen vielen Ex-Partnern und darüber, wie er die van der Vaarts beraten hätte.

AMICA Online: Sylvie und Rafael van der Vaart lassen sich am 4. Dezember scheiden. Klingt nach einem Traumjob für einen Scheidungsplaner. Wie gerne wären Sie als Berater dabei?
Andrew Kisitu:
Diesen Job hätte ich natürlich gerne gemacht. Wer würde als Berater nicht gerne mit einem derart prominenten Paar zusammenarbeiten? Von so viel Aufmerksamkeit kann man nur profitieren. Da unterscheiden sich Divorce Planner nicht von Wedding Plannern.

Haben die van der Vaarts denn überhaupt Beratung nötig?
Oh ja, das haben sie. Hätten die van der Vaarts einen Scheidungsplaner gehabt, wäre sicher vieles anders gelaufen. Die Medien hätten den Fall niemals so ins Rampenlicht geschoben, da sie auch gar nicht so detailliert informiert gewesen wären.

Was hätten Sie den van der Vaarts denn geraten?
Ich hätte ihnen empfohlen, die Ruhe zu bewahren und die Öffentlichkeit nicht über jeden ihrer Schritte zu informieren. Die van der Vaarts hätten nur mit Eingeweihten sprechen sollen, nicht mit der Presse.

© REUTERS
Was glauben Sie, warum die beiden so offen mit ihrer Trennung umgegangen sind?
Ich kann natürlich nicht für die van der Vaarts sprechen, da ich nie mit ihnen zusammengearbeitet habe. Generell gilt aber, dass Promis viel eher Kapital aus einer Scheidung ziehen können als wir Normalos. Sie sehen das Ganze als eine Form der Publicity und verkaufen beispielsweise die Exklusivrechte an ihrer Geschichte. Durch die ständige Öffentlichkeit geht das Ganze aber noch mehr an die Substanz. Das ist sicher auch bei Sylvie van der Vaart so.

Warum gehen viele Promi-Ehen eigentlich so schnell in die Brüche?
Ein prominentes Paar wie die van der Vaarts kann nicht einmal gemütlich durch die Stadt spazieren. Da sind immer Paparazzi und Fotografen, die die beiden bedrängen. Sie leben ein Leben in der Öffentlichkeit. Privatsphäre gibt es da kaum noch. Das belastet eine Ehe ungemein.

Ihrer Erfahrung nach: Was sind die größten Streitpunkte bei einer Scheidung?
Ganz oben steht der finanzielle Bereich. Immobilien, Kapitalanlagen, die ganze finanzielle Versorgung – das sind die größten Streitpunkte. Viele möchten ihrem Ex-Partner in dieser Hinsicht auch eins auswischen. Am Ende muss jemand seine gesunde Firma verkaufen, nur um den Partner auszahlen zu können. Oder es kommt zu einer Zwangsversteigerung. Ziel meiner Arbeit ist es, genau solche Eskalationen zu vermeiden und zwischen den Partnern zu vermitteln.

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Scheidungsplaner Andrew Kisitu
Im Falle der van der Vaarts ist ja auch noch ein Kind im Spiel …
Erstaunlicherweise stehen die Kinder bei den Auseinandersetzungen oft erst an zweiter Stelle. Die eigene finanzielle Versorgung scheint vielen Paaren wichtiger zu sein. Manche strengen sich aber auch sehr an, um eine Lösung zu finden, die dem Kind gerecht wird. Wenn sich das Paar zum Beispiel darauf einigt, in zwei gegenüberliegende Häuser an der gleichen Straße zu ziehen. Das habe ich schon erlebt. Mama und Papa lebten Tür an Tür, und die Kinder mussten auf keinen verzichten. Eine schöne Lösung!

Rafael van der Vaart ist jetzt mit der ehemals besten Freundin seiner Frau zusammen – Sabia Boulahrouz. Ist ein neuer Partner ein Hindernis für eine harmonische Scheidung?
Wenn der Ex vor oder während der Scheidung schon eine neue Liebe hat, fühlen sich viele tatsächlich stark vor den Kopf gestoßen. Das kann die Fronten verhärten. Noch schlimmer ist es, wenn der neue Partner der Auslöser für die Scheidung war. Und das ist sehr oft der Fall. Natürlich ist man dann komplett überrumpelt.

Wie sind Sie überhaupt darauf gekommen, Scheidungsplaner zu werden?
Ich habe 15 Jahre für die UNO gearbeitet. Im Laufe dieser Jahre Zeit trennten sich in meinem Freundeskreis mehrere Paare. Mir ging das immer sehr nahe: Leute, die sich einmal geliebt hatten, wurden plötzlich zu Feinden. Da dachte ich einfach: Da muss man etwas tun! Die Idee für den Scheidungsplaner war geboren. Damit habe ich eine Marktlücke entdeckt: Jeder kennt einen Wedding Planer, aber einen Divorce Planner gab es bisher in Deutschland nicht.

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„Für Promis ist eine Scheidung die beste Publicity“