ZickenalarmKolleginnenschweine

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Besonders übel und manchmal sogar existenzvernichtend wird das Gezicke am Arbeitsplatz betrieben. Offene Konkurrenz ist tabu, deshalb versuchen viele Frauen heimlich, das zu kriegen, was sie wollen, ohne so zu wirken, als ob sie dafür was tun. Dabei ist ihnen jedes Mittel recht. So werden Gerüchte verbreitet, eine Kollegin würde trinken, habe Schulden oder werde von ihrem Mann betrogen.

Nur selten geht es wirklich nur um Fachliches im Job: „Bei Frauen spielt immer die zwischenmenschliche Ebene mit rein“, sagt die Hamburger Mobbing-Expertin Ulla Dick. „Und sie sind meist absolut in ihrer Ablehnung. Sie sagen nicht: Dein Arbeitsstil gefällt mir nicht. Sondern: Mit der kann ich nicht arbeiten.“

Auch am Arbeitsplatz herrscht Gruppenzwang. Viele Frauen empfinden herausragende Leistungen anderer geradezu als Schikane: Wer besonders talentiert ist, wird prompt als arrogante Ziege abgestempelt. „Es ist immer leichter, sich mit Schwächeren als mit Stärkeren zu identifizieren“, so Ulla Dick. „Den Erfolg eines Mannes anzuerkennen ist leichter, weil wir uns leider angewöhnt haben, im zweiten Glied zu stehen.“

Und dann können Frauen natürlich noch auf derart atemberaubende Weise nachtragend sein, dass die Anthropologin Margaret Mead schon vor Jahrzehnten trocken kommentierte: „Gut, dass Kriege Männersache sind. Männer wissen nicht nur, wie man sie anfängt, sondern auch, wie man sie beendet.“ Selbst Fachleute wie Ulla Dick sind oft ratlos, wie man die festgefahrenen Kleinkriege im Job beenden kann.

Vermittlung ist oft gar nicht mehr möglich, manchmal ist Kündigung die einzige Lösung. Aber selbst in leichteren Fällen muss sie Frauen, deren Leben und Sterben das Reden ist, eben dieses Reden erst einmal wieder beibringen. „Schweigen nicht mit Schweigen beantworten. Nicht anklagen, sondern von den eigenen Gefühlen sprechen.“

Phyllis Chesler wäre schon mit einem „realistischeren Umgang“ von Frauen zufrieden: nicht so hohe Erwartungen aneinander, die nur enttäuscht werden können, Solidarität trotz unterschiedlicher Meinungen, Meinungsverschiedenheiten nicht so persönlich nehmen und nicht so lange so nachtragend sein. Es geht keineswegs darum, auf unehrliche Weise „nett“ zu sein, im Gegenteil: Eine Kuh muss man manchmal einfach eine Kuh nennen. Aber ins Gesicht. In aller Freundschaft. Und dann die Hand drauf und zur Abwechslung ein paar Männer ärgern.