MusikZwölf neue Songjuwelen von The Honeydogs

© dpa / Courtesy of The Honeydogs
Ewiger Geheimtipp: The Honeydogs.

Während ähnlich klingende Bands wie Wilco oder The Jayhawks inzwischen die Massen begeistern oder zumindest beachtliche Comebacks feiern, blieben The Honeydogs seit rund 15 Jahren konsequent unter dem Radar. Und das nicht nur in Europa, wo sie ja bisher nie auf größere Tournee gingen. Auch in ihrer amerikanischen Heimat sind sie trotz wunderbarer Platten Geheimtipps geblieben. Dies wird sich vermutlich mit dem aktuellen Werk „What Comes After“ (Grain Belt Records) kaum ändern – so ungerecht das ist.

Denn dieses insgesamt zehnte Honeydogs-Album hat wieder alles, was in den 60er und 70er Jahren Millionen Popfans glücklich gemacht hätte: Herzhafte Melodien aus der Beatles/Kinks/Springsteen-Schule; ein Sänger mit ausdrucksstarker, wettergegerbter Stimme; vielschichtige Arrangements mit knackigen Gitarren, Honkytonk-Piano und feinen Streicher-/Bläsersätzen; einfühlsam-intelligente Texte. Dass die Musiker um Bandleader/Songwiter Adam Levy bescheidene Menschen und echte Sympathen sind, versteht sich fast von selbst.

In Deutschland traf ihr Retro-Sound erstmals im Jahr 2000 auf einen größeren Hörerkreis, als überraschenderweise auch hierzulande das (hoffnungsvoll betitelte) Album „Heres Luck“ veröffentlicht wurde. Wilco-Fans der „Summerteeth“-Phase spitzten die Ohren, denn The Honeydogs klangen ein wenig wie jüngere Brüder der schon damals hochgelobten Tweedy-Truppe. Aber irgendwie wurde dann doch nichts aus diesem Karriere-Impuls.

Mit dem Konzeptwerk „10 000 Years“ (2003) und dem ähnlich ambitionierten „Amygdala“ (2006) ließen die „Honighunde“ Jazz- und Progrock-Elemente in ihre Musik einfließen. Eine Entwicklung, die von puristischen Countryrock-Fans nicht goutiert wurde und die Anhängerschar spaltete. Dabei waren beide Scheiben grandios und machten beispielsweise Singer/Songwriter-Ikone Aimee Mann zur Honeydogs-Verehrerin. Doch der Erfolg blieb überschaubar.

„What Comes After“ (seit kurzem immerhin über Mailorder-Import oder in gut sortierten Plattenläden erhältlich) lässt nun alle Qualitäten dieser Band aufs Schönste funkeln. Adam Levy hat in einigen der zwölf Lieder den Selbstmord seines schwer depressiven Sohnes verarbeitet – die melancholischen Töne überwiegen also auch diesmal, etwa im traurigen „Blood Is Blood“ oder im beklemmenden Titelsong.

Der rustikal-knarzige Opener „Particles And Waves“ oder „Broke It, Buy It“ mit klimperndem Klavier und fetten Bläsersätzen präsentieren die Band jedoch auch von ihrer aufgekratzten Seite. Der an Ben Folds erinnernde Powerpop-Song „Aubben“ wäre vor 40 Jahren ein sicherer Radio-Hit gewesen. Höhepunkt eines famosen Albums, das erst im letzten Drittel etwas nachlässt, ist die streicherverzierte Gänsehaut-Ballade „Everything In Its Place“, auf die auch „Boss“ Bruce Springsteen stolz wäre. Ein höheres Lob lässt sich in diesem Genre kaum finden.

Quelle: dpa
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