PsychologieWarum geht er fremd?

von AMICA Online Redakteurin
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Betrug und Lügen bestimmten jahrelang Arnold Schwarzeneggers Ehe. Der 63-jährige Ex-Gouverneur Kaliforniens zeugte mit seiner Geliebten, einer Hausangestellten, vor rund zehn Jahren sogar ein Kind. Seine Noch-Frau Maria Shriver erfuhr von der Vaterschaft erst vor wenigen Monaten, vergangene Woche gab das Paar dann seine Trennung bekannt.

Warum zieht es Männer zu anderen Frauen hin? Sind One-Night-Stands heute Kavaliersdelikte und kann man Fremdgehern verzeihen? Wir fragten bei Paartherapeutin und Ratgeberautorin Andrea Bräu nach.

AMICA Online: Betrügen Männer häufiger als Frauen?
Andrea Bräu:
Nein, wie Studien zeigen, gehen Männer und Frauen etwa gleich oft fremd.

Welche Gründe gibt es für Seitensprünge?
Unzufriedenheit in der Beziehung treibt die meisten Menschen in fremde Arme. Auch Probleme mit dem Selbstwert oder Nähe sind häufig, genau wie Neugier, Abenteuerlust, Nachholbedarf und sogar Rache.

Kann es beim Fremdgehen „nur“ um Sex gehen oder gibt es immer auch andere Ursachen?
Alles, was über einen One-Night-Stand hinausgeht, dürfte für die Beteiligten mehr als Sex sein. Durch Begegnung entsteht Nähe. Und mehrere Begegnungen schaffen dementsprechend mehr Nähe.

Suchen Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl eher nach Bestätigung durch Sex?
Ja, in jedem Fall. Unsichere Charaktere brauchen die Bestätigung von außen. Was sie nicht merken: Das ist ein Trugschluss, denn echter Selbstwert kommt von innen und kann nie „aufgepfropft“ werden.

Welchen Einfluss hat Macht? Wie kommt es zum Beispiel, dass mächtige Männer wie Dominique Strauss-Kahn oder Arnold Schwarzenegger fremdgehen?
Durch ihre gesellschaftliche Stellung ist es für mächtige Männer leichter, einen passenden Freundin.de - Mehr zum Thema Seitensprung zu finden. Aber innerlich muss die Bereitschaft dafür natürlich da sein. Und für die Seitensprungpartner gilt auch wieder der von außen bestätigte Selbstwert: Wer würde nicht lieber mit einem berühmten Mann fremdgehen, als mit einem „No-Name“?

© Thomas Owezarek
Paartherapeutin Andrea Bräu (Beziehungspraxis.de)

Herrscht bei diesen Männern vielleicht eine „Mir kann keiner was“-Mentalität?
Das hängt damit zusammen, wie diese Männer innerlich aufgestellt sind. Wissen Sie wirklich, wer sie sind oder ist die selbstsichere Ausstrahlung nur eine Fassade?

Welche psychologischen Ursachen kann das Verhalten notorischer Fremdgänger haben?
Menschen, die nicht treu sein können, haben vielleicht entweder wenig Selbstwert und brauchen dauerhaft die Bestätigung von Außen oder sie sind noch nicht reif genug, um sich fest zu binden und auf einen Partner richtig einzulassen.

Wie kann es sein, dass manche Frauen Seitensprünge jahrelang nicht bemerken oder sogar dulden?
Manchmal wollen Menschen gar nicht bemerken, dass ihr Partner sie betrügt. Sie „(Er)Dulden“ es, weil sie zum Beispiel ihren Platz nicht verlieren möchten oder sich schämen. Viele Menschen machen sich im Leben etwas vor. Hinzuschauen erfordert Mut und Handlung. Nichts wird mehr so sein, wie es war und vor dieser Konsequenz haben die meisten Angst.

Mein Partner ist fremdgegangen – kann ich ihm verzeihen und wie?
Meiner Erfahrung nach muss der Grund fürs Fremdgehen klar sein. Nur so kann das Paar erkennen, ob eine Wiederholung droht. Fehler passieren jedem von uns. Aber daraus zu lernen, wäre die Herausforderung. Vertrauen ist auch eine Vorschussleistung. Der Passive muss sich gut überlegen, ob er Vertrauen noch ein Mal „vorschießen“ kann. Wenn nicht, ist die Beziehung beendet.

Was raten Sie betrogenen Frauen, wenn die Beziehung eigentlich harmonisch ist: Sollte ein Seitensprung verziehen werden, wenn er zum Beispiel unter Alkoholeinfluss stattfand?
Ein One-Night-Stand fällt nicht unbedingt in die Kategorie „Hochverrat“. Da stehen die Chancen für eine Verzeihung noch besser. Man muss natürlich hinterfragen, ob wirklich „nur“ der Alkohol schuld ist oder ob Konflikte in der Partnerschaft schwelen.

© PR
Titel: Es war doch nur Sex!

Autor: Andrea Bräu

Verlag: Südwest Verlag (April 2011)

Preis: 14,99 Euro

Inwiefern hat sich das Fremdgeh-Verhalten in den letzten zwanzig Jahren verändert?
Seitensprünge gibt es schon so lange, wie es die Liebe gibt. Allerdings hat sich die Anbahnung durch Dating-oder sogar Seitensprung-Portale im Internet extrem vereinfacht.

Bei all den Möglichkeiten, die sich heute bieten – ist es überhaupt noch möglich eine monogame Beziehung zu führen?
Ob der Mensch vielleicht gar nicht für die Monogamie geschaffen ist – da scheiden sich die Geister. Die unendliche Freiheit des heutigen Menschen macht es nicht leichter. Sieht man sich an, mit wie viel Leid Affären meist einhergehen, muss man sich schon fragen, warum wir denn nicht einfach polygam sein können. Monogam zu leben, verspricht man nicht seinem Partner, sondern sich selbst. Diese Wahl hat heute jeder.

Und wie erklären Sie sich, dass für die meisten Menschen „Treue“ in einer Beziehung am wichtigsten ist?
Wenn Sie hier die „sexuelle Treue“ meinen, dann wird die meist in einer Partnerschaft als etwas Exklusives gesehen. Sie wird quasi mitgeliefert, ohne sie zu hinterfragen. Es gibt verschiedene Arten von Treue und jedes Paar sollte ihre eigene finden.

Zu welchem Ergebnis kommen Sie in ihrem Buch „Es war doch nur Sex!“ – ist Fremdgehen heute eher ein Kavaliersdelikt?
Nein, denn für die Passiven ist ein Seitensprung oft traumatisch. Allerdings beschäftigen sich die Menschen zu wenig mit den Ursachen für Seitensprünge. Sich wirklich mit dem Partner auseinanderzusetzen, ist wohl zu unbequem. Mein Rat: Tun Sie es trotzdem! Dann verringert sich auch die Gefahr, dass er überhaupt fremdgeht.

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