AMICA-UmfrageJulia Stegner

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AMICA: Was bedeuten für Sie die Schlagworte Krise und Change?

Julia Stegner, Model: Von der Krise spüre ich persönlich nichts, bin gerade jetzt als Gesicht der Related content, als Markenbotschafterin von Mercedes und von Maybelline Jade sehr gut im Geschäft. Glück gehabt, würde ich sagen.

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Allerdings bekommt mein Freund Steven Pan, der in New York als Fotograf arbeitet, unglaublich viele Anfragen von Kollegen, die ihn um einen Assistenten-Job bitten, weil sie selbst nicht mehr wissen, wie sie sich über Wasser halten sollen. Das ist bitter und macht mir als geborener Schwarzseherin natürlich Angst. Quasi als Therapie hat mich Steven überredet, mit ihm die Inauguration von Präsident Obama in Washington anzuschauen.

Ein Ereignis, von dem ich noch meinen Kindern und Enkeln erzählen werde. Der Obama-Faktor hat mich aber schon früher erwischt. Vor zwei Jahren war ich für Unicef in den Flüchtlingsheimen von Sierra Leone. Das Schicksal von Kindersoldaten und Kriegswaisen, die einfach nur dankbar sind, dass sie leben, ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen haben, – das hat mich wie eine Keule getroffen.

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Man sagt sich das ja immer: Mir gehts gut, ich verdiene genügend Geld, habe eine tolle Familie, bin gesund, aber dann findet man immer etwas, das noch nicht ganz so perfekt läuft oder regt sich über Kleinigkeiten auf. Damals habe ich mir geschworen, mein Leben zu ändern, jeden Tag zu genießen anstatt nächtelang über irgendwelche pessimistischen „Was wäre wenn-Szenarien“ nachzugrübeln.

Das Engagement für die Kinder in Sierra Leone ist mir noch heute eine Herzensangelegenheit, nur mit meinem eigenen Bewußtseinswandel hat es noch nicht so recht geklappt. Die guten Vorsätze sind da, aber im Alltag falle ich dann doch wieder in meinen alten Trott. Obwohl, etwas gelassener bin ich schon. Wenn ich heute ein Flugzeug verpasse, weiß ich: Es gibt Schlimmeres.