PsychologiePolyamorie: Hat die Liebe für's Leben ausgedient?

Text: Verena Breitbach
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Will und Jada Pinkett Smith

Es sei gut für eine Beziehung, wenn man andere Menschen begehre und dies seinem Partner mitteile, sagte Will Smith gegenüber dem britischen Magazin „Now“ 2008. Er fuhr fort: „Wenn einer von uns nicht widerstehen könnte, würde er sagen – Ich muss dringend mit jemandem Sex haben, aber ich werde es nicht tun so lange Du nicht zustimmst“.

Das löste eine ganze Flut von Spekulationen darüber aus, ob der Schauspieler mit seiner Frau Jada Pinkett in einer offenen Beziehung lebt – obwohl dies später dementiert wurde.

Auch der französische Starkoch Paul Bocuse und der amerikanische Großinvestor Warren Buffett sollen mehrere Frauen lieben. Schauspielerin Tilda Swinton wird sogar eine Dreiecksbeziehung mit dem Vater ihrer Kinder und ihrem neuen Partner nachgesagt.

Was Polyamory bedeutet

Wenn die Vermutungen stimmen, sind diese Stars Polyamoristen und gehören zu einer weltweiten Bewegung von geschätzt zehntausend Menschen. Der Begriff „Polyamorie“ setzt sich aus dem griechischen „poly“ (viel) und dem lateinischen „amor“ (Liebe) zusammen und bezeichnet gleichzeitige Liebesverhältnisse zu mehreren Menschen.

Mit der in Deutschland gesetzlich verbotenen Vielehe (Polygamie) aber darf Polyamorie nicht verwechselt werden.

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Vorurteile und Werte

Oft wird Polyamoristen vorgeworfen, sie seien verrückt nach dem Gefühl des Verliebtseins oder wollten Abwechslung im Bett. Aber: Die Aufrichtigkeit in der Liebe zu jedem Einzelnen ist die Basis polyamouröser Liebe. Und es geht nicht nur um Sex, sondern auch um wahre Gefühle.

„Polyamorie berührt grundlegende Probleme wie Eifersucht, Rivalität, den Wunsch nach einer privilegierten Beziehung, aber auch nach Freiheit sowie der Wahl des Liebesobjektes“, sagt die französische Psychoanalytikerin Geneviève Abrial.

Die Polyamoristen, die sich in Multi-Liebschaften befinden, so Abrial gingen ohne jegliche Heimlichtuerei fremd – Eifersuchts-Szenarien hätten hier keinen Platz. Werte wie Ehrlichkeit und Respekt, Treue im Sinne von Aufrichtigkeit und Verbindlichkeit und das Wohlwollen im Hinblick auf jede einzelne Beziehung würden hochgehalten.

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Mehrere Lieben anstatt der einen Wahren

"Warum sollte es besser sein, nur eine Liebe anstatt mehrere zu haben?“, fragen die Polyamoristen. Keine Umfrage und auch keine wissenschaftliche Studie gibt eine Antwort auf diese Frage. Aber vielleicht stimmen unsere alten Sicherheiten ja wirklich nicht und der Mensch ist gar nicht für die Zweisamkeit geschaffen?

Komiker Otto Waalkes führt eine offene Ehe mit der Schauspielerin Eva Hassmann und erklärte der Zeitschrift „Superillu“ die Bedeutung mehrerer Lieben: „Sie bereichern doch das Leben. Wenn du das Verlangen hast, musst du dem nachgeben. Wenn du dich dagegen sperrst, wirst du unglücklich. Und wenn sich ein Partner dafür entscheidet, akzeptierst du es, weil es den Partner glücklich macht und du ihn liebst.“

Aber er gestand auch ein: „Das klingt kompliziert. Und das ist es auch. Einstellungssache…“

Ob man im Plural liebt oder nicht, eine Garantie für die dauerhafte Bindung gebe es nie, sagt Geneviève Abrial: „Jede Verbindung ist instabil und dauert nur dann an, wenn man an ihr arbeitet, sie pflegt und ihr Aufmerksamkeit schenkt. Und jede Verbindung hat ein Bedürfnis nach Entwicklung, sonst kann sie nicht fortbestehen.“

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