Interview mit einer Polygamistin„Ich genieße Sex ohne Traumprinzfantasien“

von AMICA Online Redakteurin
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Nicht mit einem, nicht mit zweien oder vieren. Nein, legte Annette Meisl für sich fest, mit fünf Männern gleichzeitig wollte sie zusammen sein. Sie lebt polygam. Weil sie nicht daran glaubt, dass Männer treu sein können. Weil sie gelernt hat, sich ihre Bedürfnisse selbst zu erfüllen. Und vor allem, weil sie sich nichts mehr vorlügen will.

Ihr Projekt 5L, „Fünf Lover“, schildert die Künstleragentin im autobiografischen Buch „Fünf Männer für mich“. Die 40-Jährige lässt Leserinnen an ihren sexuellen Sehnsüchten teilhaben, verrät wie sie es irgendwann schaffte Männer zu lieben, ohne sie besitzen zu wollen.

Mit AMICA Online sprach die Autorin über wahre Liebe ohne Eifersucht, grausame Freiheit und verriet, ob sie nach ihrem Sexperiment noch an den einen Mann fürs Leben glaubt.

AMICA Online: Früher waren Sie monogam. Warum reichte Ihnen ein einziger Mann plötzlich nicht mehr?
Annette Meisl: Fünfzehn Jahre lang hätte ich nicht einmal im Traum daran gedacht, etwas mit einem anderen Mann als einem, meinem, anzufangen. Die Entscheidung fiel nach der Trennung. Ich fand heraus, dass er mich jahrelang betrogen hatte – und das auch noch mit einer meiner besten Freundinnen. Das war für mich ein richtiger Schock. Ich fiel in eine tiefe Depression und wollte mein Leben neu erfinden. Ich wollte es nicht mehr an einen einzigen Mann verschwenden. Die Gefahr mich unsinnig zu verlieben, war zu groß. Ich benötigte Netz und doppelten Boden und außerdem hinterfragen, ob die Monogamie überhaupt existiert.

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Buchautorin, Künstleragentin und Polygamistin Annette Meisl

Also trieb Sie der Selbstschutz an?
Anfangs ja. Ich hatte große Angst noch einmal Ähnliches zu erleben, entfloh außerdem der Opferrolle. Später wurde das Projekt jedoch eher zum Übungsfeld, um meine eigene Toleranz zu trainieren. Es ging vor allem auch um Spaß.

Warum gerade fünf Lover?
Die Zahl ist nicht fix, sondern ein Richtwert. Sodass ich im Fall von Verliebtheit immer noch andere zur Ablenkung zur Hand hatte.

Sie haben sich selbst auch Regeln gesetzt. Wie sahen die aus?
Zunächst notierte ich mir sämtliche möglichen Lover, ging aktiv auf die Suche. Ob Bauarbeiter oder Opernsänger – alle waren sie Kandidaten und ergänzten sich gegenseitig. So kam ich mit vielen Männern in Berührung, die ich sonst, zum Beispiel aufgrund ihres Status, sofort aussortiert hätte. Regel Nummer zwei: Jeder Liebhaber erfuhr noch vor dem ersten Sex, was Sache war. Außerdem durften natürlich auch sie mehrere Partnerinnen haben.

Ging es nur um Sex?
Nein, auf keinen Fall. Zwar habe ich viele Erfahrungen gemacht, zum Beispiel mit Gruppensex, aber ich bin ein sehr emotionaler Mensch und im Herzen treu, egal ob es um Freundschaften oder um Liebhaber geht. Da waren viele Gefühle mit im Spiel. Bei dem einen Lover eher kumpelhaft, bei dem anderen intensiv.

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Aber konnte die Liebe zu den Vielen jemals so intensiv sein, wie zu Ihrem Ehemann?
Das Lustige ist: Ich weiß nicht einmal, ob das mit meinem Ex-Mann wirklich Liebe war. Schließlich basierte sie auf Lügen. Die schlimmste Lügengeschichte übrigens – das weiß ich heute – war, dass ich mich selbst belogen habe. Weil ich die Wahrheit nicht sehen wollte.

Was ist Liebe für Sie eigentlich?
Liebe entzieht sich meiner Meinung nach jeglicher Definition. Sie ist mal leidenschaftlich und verbrennend, mal freundschaftlich. Aber sie vermehrt sich, indem man sie teilt. Und wahre Liebe lässt los, anstatt zu klammern. Wenn man das begriffen hat, befreit es extrem. Dieses Auf-die-SMS-nach-dem-ersten-Date-Warten ist doch schrecklich. Ich kenne viele Frauen, die ihr ganzes Selbstwertgefühl daran hängen. Männer wollen es aber lockerer.

Für einen Mann hätten Sie aber beinahe das Experiment beendet.
Genau. Plötzlich wollte ich nur ihn, aber er war nicht bereit, mir exklusiv seine Liebe schenken. Es gab viele Höhen und Tiefen während dieser Zeit.

Wie haben Sie Ihre Eifersucht schließlich besiegt?
Durch knallharte Konfrontation. Mit Hilfe einer Überwachungskamera in seinem Geschäft – zu der er mir die Zugangsdaten gegeben hatte, damit ich ihm nah sein kann – habe ich beobachtet, wie er mit einer anderen Frau flirtet, sie küsst. Das war Folter, aber heilsam. Heute weiß ich, dass auch ich andere Männer begehren kann, wenn ich in einen verliebt bin.

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„Der Preis dieser Freiheit ist die Einsamkeit“, schreiben Sie in Ihrem Buch.
So war es anfangs. Allerdings habe ich im Laufe des Projektes herausgefunden, dass ich mir alle Bedürfnisse selbst erfüllen muss, um wirklich glücklich zu sein. Wer das Bedürfnis nach Zärtlichkeit verspürt, sollte zuerst lernen sich selbst zu mögen und keine Selbstzweifel zu haben. Heute habe ich diese Einsamkeitsgefühle nicht mehr.

Wie haben Sie das geschafft?
Mit Tricks aus Selbsthilfe-Ratgebern. Als ich mich zum Beispiel an einem Abend sehr alleine fühlte, habe ich alle meine Freunde per SMS gebeten mir zu schreiben, was sie an mir mögen. Das hat wahnsinnig gut getan. Diese Nachrichten habe ich immer wieder gelesen. Morgens vor dem Spiegel habe ich mir gesagt, wie toll ich bin. Und war mir kalt, habe ich sehr lange warm geduscht. Ich habe viel geduscht. Fünf Mal am Tag.

Ist es nicht schöner, sich an eine warme Schulter zu kuscheln?
Nein. Wer all seine Bedürfnisse auf einen Mann projiziert, überfordert diesen. Außerdem ist die Gefahr sehr groß, dass sich auch andere Frauen an diese Schulter lehnen.

Annette Meisl – Interview - Seite 2.

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„Ich genieße Sex ohne Traumprinzfantasien“
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paul  |  20.02.2013 12:35
einsamkeit
" Der Preis dieser Freiheit ist die Einsamkeit , schreiben Sie in Ihrem Buch." anders herum. sie lebt so weil sie einsam sein will. offensichtliche beziehungsunfähige menschen reden sich ihre problem immer schön.

chutullu  |  20.02.2013 12:20
missbrauch
immer interessant wieso manche menschen eine dame die promisk lebt als "eigenständige, selbstbewusste und unabhängige starke" frau ansieht. die meisten promisken frauen haben übrigens missbrauchserfahrungen in der kindheit. das ist längst ein fakt und jeder halbwegs erfahrene mann weiss das auch aus beziehungen/affären. nur mal um mit dem "sääääx" eine sache klar zu stellen...

Natalie  |  13.06.2012 20:10
Unverantwortlich
Die Frau ist ein Spiegel unserer (aussterbenden) egozentrischen Gesellschaft. Diese Gesellschaft wird aussterben, weil die Menschen nicht mehr verstehen, worauf es wirklich im Leben ankommt. Eine Familie, Kinder und Zusammenhalt. Stattdessen rennen alle nur irgendwelchen materiellen und Selbstverwirklichungsphantasien hinterher.

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