Interview mit Erotikfilm-Produzentin Erika Lust„Ich bin die prüdeste Person im Porno-Business“

von AMICA Online Redakteurin
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Erotikfilm-Produzentin Erika Lust

Nein, ihr Name ist kein Zufall. Erika Lust hieß früher Erika Hallqivst. Doch das war, bevor sie nach Barcelona ging, um schöne Erotikfilme zu machen. Von einer Frau, für Frauen. Die Schwedin gilt als eine der wichtigsten Produzentinnen in diesem neuen Branchenzweig, wird mit internationalen Auszeichnungen überhäuft. Zum Beispiel mit dem „Best Movie of the Year“-Preis der Feminist Porn Awards in Toronto, oder mit der Trophäe für den „Besten Erotischen Dokumentarfilm“ bei den Venus Awards in Berlin.

„Das liegt daran, dass mir die Konkurrenz fehlt“, lacht sie ihr bisheriges Schaffen bescheiden weg. Dabei bekommt die Feministin täglich positive Rückmeldungen von Fans. Eine Frau freute sich etwa über ihre neuste DVD „Cabaret Desire“ und ließ sie bei einem Screening gleich für den 15-Jährigen Sohn signieren (Begründung: „Er wird den Film sowieso finden. Besser er schaut sich das an, als das klassische, chauvinistische Zeug“). Selbst Männer sind begeistert. Sie lieben es, dass ihre Partnerinnen plötzlich Pornos lieben.

Gegenüber AMICA Online verriet die 34-Jährige, warum sie sich nach ihrem Politikstudium für diesen Job entschied, was man beim Dreh feministischer Pornos beachten muss, und ob ihre Liebe zum Detail durch die Nachfrage gewürdigt wird.

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AMICA Online: Frau Lust, haben Sie sich umbenannt, weil Ihnen Ihre Arbeit peinlich war?
Erika Lust: Nein, gar nicht. Hallqvist ist einfach sehr kompliziert zu schreiben und zu googeln. Lust ist einfacher und einprägsamer. Es ist ein sehr positives Wort und hat viel damit zu tun, wie die Leute meine Filme erleben sollen. So heißt meine gesamte Firma.

Warum gerade „Lust“?
Als ich die ersten Pornofilme gesehen habe, hatte ich das Gefühl, dass das Gezeigte wenig mit mir als Frau zu tun hat. Es ging nicht um weibliche Sexualität, Intimität und weibliches Vergnügen. Ich habe die glückliche Komponente dabei vermisst, die Lust eben. Dieses Wort vereint alles in sich, was ich mit meinem Werk ausdrücken möchte.

Wann haben Sie denn den ersten Pornofilm gesehen?
Als ich um die 13 Jahre alt war, rief mich eine Freundin an und erzählte mir von einem Video, das sie bei ihrem Vater gefunden hatte. Also schauten wir es gemeinsam mit ein paar anderen Kumpels. Ich fand das damals nicht erotisch, sondern einfach lustig und doof. Wir haben viel gelacht.

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Finden Sie Männer-Pornos immer noch lächerlich?
Nein, mein zweites Mal mit einem Pornofilm war eine wichtige Entdeckung für mich. Es war die typische Situation: im Alter von 18 mit meinem Freund. „Das ist aufregend“, sagte er. „Lass es uns ansehen und nachahmen“. Während des Schauens hatte ich gemischte Gefühle. Mein Körper reagierte auf die Sexszenen, aber trotzdem fand ich sie nicht attraktiv. Zuerst habe ich nicht verstanden, warum das so merkwürdig war.

Und zu welcher Erkenntnis sind Sie gekommen?
Diese Art von Porno ist nur für Männer gemacht. Als ich Politikwissenschaften studierte und die Ideen des Feminismus entdeckte, begann ich die Filme zu analysieren. Ich realisierte, dass sie immer nach dem gleichen Schema abliefen. Der männliche Darsteller war die Hauptfigur und die Frauen dienten nur dazu, ihm Vergnügen zu bereiten. Es ging nie um ihre eigene Befriedigung. In vielen Streifen konnte man den weiblichen Orgasmus nicht einmal sehen.

Also haben Sie sich dazu entschlossen, ein neues Genre zu erfinden?
Es war eher ein längerer Prozess. Ein paar Jahre nach meinem Studium ging ich nach Barcelona und arbeitete dort in der TV-Industrie als Produktionsassistentin, Location- und Produktionsmanagerin. So lernte ich, wie man Filme macht. Das war immer meine Leidenschaft und ich belegte zusätzlich Abendkurse. Schließlich bekam ich die Möglichkeit, einen eigenen Kurzfilm zu drehen.

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So enstand ihr erster Porno namens „The Good Girl“.
Genau. Ich wollte versuchen, eine andere Art von Porno zu drehen. Das war ein großer Schritt für mich, weil ich mal etwas schockierendes, anderes machen wollte. Ich war damals wie die Hauptfigur, die plötzlich Sex mit dem Pizzalieferanten hat, ein gutes Mädchen.

Sind Sie seitdem ein böses?
Nein, in vielen Bel bin ich noch brav. Die Leute denken immer, dass eine Erotikfilm-Regisseurin ein wahnsinniges Sexleben haben muss. Aber das stimmt gar nicht. Bei mir ist alles ganz normal und unaufgeregt. Ich bin zweifache Mutter, führe eine eigene Firma, bin seit zwölf Jahren mit demselben Mann zusammen.

Aber sie haben eine ausgeprägte Fantasie.
Das ist der Punkt. Meine Filme sind nicht das Produkt meiner Erfahrungen, sondern das meiner Gedanken.

Sie probieren nicht aus, was Sie offensichtlich gut finden?
Manchmal ist es besser in seiner Fantasie zu leben. Einige Praktiken wären mir peinlich. Ich weiß nicht, ob ich damit im echten Leben klarkäme. Wahrscheinlich bin ich die prüdeste Person im Porno-Business (lacht).

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Inwiefern unterscheidet sich die Ästhetik in ihren Filme von den üblichen Erwachsenenstreifen?
Oh, da gibt es viele Unterschiede. Das ist wie, als würde man ein hochwertiges Frauenmagazin mit dem Heft „Penthouse“ vergleichen. Neben dem weiblichen Vergnügen spielt bei meinen Filmen auch die Ästhetik eine wichtige Rolle. Also arbeite ich viel an der Kinematografie. Mit Kameramännern oder Location-Scouts. Das Drehbuch muss genauso ansprechend sein, wie die Dessous und die Bettlaken. Schönheit liegt im Detail.

Und auch im Aussehen der Darsteller, nehme ich an?
Allerdings. Ich möchte auf keinen Fall, dass sie nach Barbie und Porno aussehen, zum Beispiel durch Silikonbrüste. Das schreckt Frauen ab. Alles soll normal wirken und so darf der Busen ruhig hängen. Ich mag die Mischung aus verschiedenen Looks und Körperformen. Generell ist die Auswahl der Darsteller äußerst schwierig, weil sie das ganze Gefühl des Films tragen.

Wie finden Sie Ihre Stars?
Jetzt, da ich mir schon einen Namen gemacht habe, schreiben mich viele Leute an. Auch Amateure, die sich gerne einmal ausprobieren würden. Wenn ich sie treffe, muss ich eine gewisse körperliche Anziehungskraft spüren. Ich rede mit ihnen darüber, was sie wollen und wo ihre sexuellen Vorlieben sind. Mir ist wichtig, dass sie wirklich mitmachen wollen und nicht einfach nur schnell Geld brauchen. Außerdem muss die Chemie zwischen den Filmpartnern stimmen. Sie dürfen wählen, mit wem sie gerne vor der Kamera stehen würden.

Erika Lust - Seite 2

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„Ich bin die prüdeste Person im Porno-Business“
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linchen87  |  22.03.2013 12:53
Kurzfilme
Ich finde Erikas Filme richtig toll, auf ihrer Website kann man zwei Kurzfilme von ihr umsonst ansehen. http://www.erikalust.com/films/

Sophie  |  22.03.2013 12:50
Kurzfilme
Hallo! Ich bin ähnlich wie die vorherige Kommentatorin neulich auch über einen von Erika Lusts Filmen gestolpert, Cabaret Desire. Ich war begeistert! Sehr schöne Bilder! Ich bin allerdings eine Frau -)

hummelpo  |  18.11.2012 23:14
erika lust
Ich habe kürzlich einen Film per Zufall gesehen und bin begeistert. Natürliche Personen, realitätsnahe Geschichten, wunderschöne Locations, erstklassige musikalische Untermalung. Auch wenn ich kein Spanisch spreche, habe ich die Story verstanden. Einfach toll, weiter so. Ach ja, Hummelpo ist ein Mann:-)

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