Diesen Partner in den Warenkorb legen„Online-Pärchen heiraten schneller“

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Wenn es soweit ist – welche Tipps haben Sie fürs Online-Dating?
Die israelische Soziologin Eva Illouz hat festgestellt, dass Frauen der Mittelschicht weniger auf sozialen Status und Einkommen achten, als vielmehr darauf, ob ein Mann Geschmack hat. Das zeigen ihnen im Netz bestimmte Codes wie „Ich mag französische Rotweine“ oder „Ich höre am liebsten klassische Musik“.

Wie sieht es mit Humor aus?
Dass Ironie im Netz nicht funktioniert, hat mir Matt Prager aus New York verraten. Er bietet Geschäftsleuten einen Service an, die erste Kontaktaufnahme im Netz zu managen. Täglich klickt er hunderte Profile für seine Kunden durch und schreibt interessante Kandidaten an. „Niemand will einen Typen mit March-Simpson-Perücke treffen“, sagt er. Ein weitere Regel von ihm lautet: Verschicke nicht mehr als vier Mails an dieselbe Person, denn das Ganze dient nur dazu, ein reales Treffen vorzubereiten. Und dann zählen nicht mehr vorangegangene Dialoge, sondern nur noch die Biochemie. Man muss sich gut riechen können.

Welche weiteren Beziehungs-Trends konnten Sie ausmachen?
Viele in meinem privaten Umfeld, aber auch viele, die ich für das Buch interviewt habe, befinden sich in einer Grauzone zwischen Single-Sein und „Fest zusammen“. Halbbeziehung nenne ich das im Buch. Das heißt, man hat zwar Sex und schaut sonntags gemeinsam „Tatort“, ist aber nicht offiziell zusammen. Wer sich in einer Halbbeziehung befindet, denkt, da draußen könnte sich vielleicht noch etwas Besseres finden. Der Begriff des „Commitments“ hat eine ziemliche Konjunktur erfahren: Welcher Mensch passt so perfekt zu mir, dass ich meine Freiheiten aufgebe und ihm Exklusivität gewähre?

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Sind Online-Pärchen eigentlich anders als Offline-Pärchen?
Nein. Aber es gibt eine gewisse Nägel-mit-Köpfen-Tendenz, Online-Pärchen heiraten wesentlich schneller. Was mir auch auffiel: Fast alle Online-Paare haben mir von ihrem schicksalhaften Zusammenfinden erzählt. Wie sie gerade aufgeben wollten und ihnen dann der Andere aufgefallen ist. Oder wie sie eigentlich gar keine Lust auf das Date hatten und dann doch hingegangen sind. Obwohl sie sich aus einem Grund bei den Partnerbörsen angemeldet haben, nämlich einen Partner zu finden, betonten sie den Zufall und das Schicksal, der sie zusammengeführt hat.

Wie erklären Sie sich das?
So einen Gründungsmythos braucht man. Viele Paartherapeuten arbeiten mit der romantischen Kennenlerngeschichte, und es kann sich schlagartig die Atmosphäre zwischen total zerstrittenen Partnern ändern, wenn sie davon erzählen. Das gilt auch für Leute, die sich gleich in der Realität getroffen haben.

Ihre beste Online-Dating-Geschichte?
Spannend fand ich Clara, die einen Typen bei einer Partnerbörse anschrieb, aber nie eine Antwort bekam. Weil sie fünf Jahre älter war und er ihren Beruf nicht gut fand, fiel sie im Netz durch sein Suchraster. Ein Jahr später knutschte sie zufällig auf einer Party mit demselben Mann. Vor wenigen Wochen haben die beiden sogar geheiratet. Das ist wirklich hollywoodreif.

Haben Sie denn online einen Partner gefunden?
Bei mir gab es so etwas Ähnliches wie ein Happy End. Julian, so nenne ich ihn im Buch, und ich sind zwar kein Paar, aber wir sind auch nicht nichts. Keine Ahnung, wie es weitergeht.

Und wie wird man trotz der vielen Wahlmöglichkeiten heute noch glücklich bis in alle Ewigkeit?
Das habe ich leider nicht herausgefunden. Aber was der bekannte deutsche Paartherapeut Arnold Retzer sagte, hat meine Denkweise verändert. Nämlich, dass wenn es ein Geheimnis glücklicher Ehen gebe, es in der Balance zwischen Liebesbeziehung und kollegialer Partnerschaft bestehe. Das heißt: Es ist wichtig, zwischen diesen beiden Formen in verschiedenen Lebensphasen hin- und herwechseln zu können.

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