Arme Arbeiter, krebserregende StoffeDer hohe Preis der Billig-Jeans

© Colourbox.de

Hu Xin Lay ist 40 Jahre alt. Er sieht aber schon aus wie 60. Der Arbeiter aus der Stadt Xintang in der südostchinesischen Provinz Guandong ist seit Jahren in einer Jeans-Produktion beschäftigt. Er gehört zu den Menschen, die in der Reportage „Der Preis der Bluejeans“ an diesem Montag (13. August 2012, 22.45 Uhr) eine Rolle spielen.

Egal ob Luxusprodukt oder Billig-Teil aus dem Discounter – die meisten Jeans werden inzwischen in China produziert. Rund 600 Millionen pro Jahr. Früher sollten Jeans – die ursprünglich als Arbeitshosen eingesetzt wurden – laut der Reporter Christian Jentzsch und Michael Höft vor allem lange halten. Heute wechseln Jeansmoden und ihr Verbrauch schneller, als sich die Kleiderständer drehen können. Die Textildiscounter unterbieten sich mit Tiefstpreisen: Zehn Euro für ein Denim-Stück sind dabei keine Seltenheit.

Aber auch renommierte Jeans-Marken wie Mustang verlagerten die Fabrikation ins Ausland. In Künzelsau, wo 1932 Luise Hermann die erste deutsche Jeans-Fabrik gründete, steht heute nur noch ein Museum. Produziert wird in Bangladesch, Pakistan und China. Ihr Enkel Heiner Sefranek zeigt sich traurig über die Entwicklung. „Allein in einem Jeans-Finishing stecken oft bis zu zwei Stunden Handarbeit. Aber 800 Euro würde niemand für eine normale Jeans zahlen“, erklärt der Firmen-Erbe und Geschäftsführer die Entscheidung. Er nennt die heimische Produktion „nicht mehr zeitgemäß“. Hersteller seien dazu gezwungen für ein Preisniveau produzieren zu lassen, für das die Bürger bereit seien zu zahlen.

© Colourbox.de

Auf Kosten der Arbeiter. Hu Xin Lay etwa ist in einer Bleichstelle beschäftigt. Ständiger Husten und Atemnot plagen ihn, da er seit vielen Jahren unter anderem den Stoffen Hypochlorid und Kaliumpermanganat ausgesetzt ist. „Heute habe ich große Angst vor den Dämpfen und diesem Gestank“, sagt er in die Kamera. „Die ganze Chemie kann für den Körper nicht gut sein! Doch irgendwie muss es ja weitergehen, und kündigen kann ich nicht, was soll ich denn anderes machen?“

Dass vornehmlich in China die Arbeitsbedingungen nicht immer die besten sind, ist mittlerweile bekannt. In Europa hat sich dies zwar schon herumgesprochen, aber niemand will auf alltägliche preiswerte Produkte, zu denen Jeans gehören, verzichten. Wer denkt schon gern darüber nach, ob die Arbeiter, die Hosen herstellen, mit Niedriglöhnen abgespeist werden und unter gesundheitsschädlichen Bedingungen arbeiten? Selbst viele europäische Firmen wissen anscheinend nicht, wie es in ihren Produktionsstätten aussieht – laut Bericht beziehen sie ihre Ware über Agenturen oder Importeure.

© Colourbox.de

Die Autoren Jentzsch und Höft folgen den Spuren der Bluejeans von deutschen Textilläden zurück zu ihren Produktionsorten in China. Die Arbeiter schuften, so berichteten die Journalisten, im Vorwege der Ausstrahlung, „oft in stickigen, düsteren Hallen, und viele atmen dabei feinste Staubpartikel ein, die durch das gefährliche Sandstrahlen freigesetzt werden.“ Damit solle das modische Ausbleichen der Jeans erreicht werden, der so genannte Used-Look. Doch es schädige vor allem die Gesundheit der Arbeiter. Die sogenannte Staublunge könne die Folge sein. Auch die Natur ist betroffen, weil Chemikalien oft ungefiltert nach draußen geleitet würden.

Ein Appell an die Nachhaltigkeit verhallt schnell angesichts der verlockenden Preise: Die Einkäufer der westlichen Modefirmen geben nur drei, vier Euro pro Jeans. „Sie machen höllischen Druck!“, klagt ein chinesischer Fabrikant in der Reportage.

Fazit des Films: Letztlich könne der europäische Verbraucher nur über seine eigene Gesundheit angesprochen werden. Denn beim Einfärben kommen offensichtlich auch Stoffe zum Einsatz, die beim Tragen eine krebserregende Wirkung entfalten.

Quelle: dpa/vs