Porträt des Bambi-Stars Justin Bieber macht Wiesbaden zur Kreisch-Stadt

 

Wenn Justin Bieber nach Wiesbaden kommt, dann herrscht Kreischalarm. Der 17-Jährige hat es über Youtube zum Megastar geschafft, löst mit Haarschnitten Unternehmenskrisen aus und infiziert Mädchen mit Verliebtheit.
Text: Veronika Schaller
© Robert Chaplin
Ändert sich etwas auf seinem Haupt, dann steht die ganze Welt Kopf. Die Sucheingabe „Justin Bieber new haircut“, „Justin Bieber neuer Haarschnitt“ also, liefert bei Google 464 Millionen Einträge. Zum Vergleich: „Barack Obama“ ergibt gerade einmal 58 Millionen. Und auch der Wirtschaft schadete es, dass der Sänger sich jüngst die Haare schneiden ließ. Der Hersteller von Bieber-Spielzeugpuppen mit Echthaar muss nachscheren und büßt dadurch rund 100 000 Dollar ein.
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Die Frisurenanekdote ist nur ein Beispiel für den Wahnsinn, den der 17-Jährige auslöst. Ein gerade einmal drei Jahre altes Mädchen namens Cody heulte in einem Youtube-Video vor Liebeskummer und bekam so irgendwann ihr Date mit dem Schwarm. In Chile rissen vergangenen Monat hunderte Fans die Absperrungen vor einem Hotel nieder, weil sie sein Zimmer stürmen wollten. Und nicht zuletzt kaufen die so genannten „Beliebers“, eine Wortneuschöpfung aus Bieber und „Believers“, seine Platten. Sein zweites Album „My World 2.0“ schaffte es in sechs Ländern in die Top-Ten, in Kanada und den USA sogar auf Platz Eins. Die Teenies sind infiziert vom „Bieber Fieber“. 15 Millionen Follower hat der Popstar auf Twitter. Laut einer amerikanischen Technik-Website werden drei Prozent der Twitter-Infrastruktur darauf verwendet, die Nachrichten von Bieber und dessen Fans zu verwalten.
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Der Sänger Usher war der Erste, der das Star-Potential von Justin Bieber gesehen hatte und mit ihm ins Studio ging.
Dass er sich vor Mädchen kaum retten kann und derart großen Erfolg hat, ist für Justin Bieber selbst schwer zu glauben. „Immerhin komme ich aus einer Kleinstadt in Kanada und bis vor kurzem habe ich nur in meinem Schlafzimmerspiegel gesungen. Dann hat meine Mutter ein paar Videos auf Youtube eingestellt …“, schreibt Justin Bieber in seiner Autobiographie „Justin Bieber – Erst der Anfang: mein Leben“. Diese Videos zeigen einen 14-jährigen Jungen, der vor einem Bart-Simpson-Poster sitzend „With You“ von Chris Brown mit Inbrunst in die Kamera singt oder auf einer Theatertreppe als Straßenmusiker mit Gitarre auftritt. Diese Videos, werden 72 000 Mal aufgerufen und sorgen dafür, dass Agenten an die Tür klopfen – eine Sozialwohnungstür.

„Mom nahm im Grunde jeden Job an, den sie kriegen konnte, damit wir weiter ein Dach über dem Kopf hatten. (…) aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass wir arm waren. Wir hatten uns, mehr brauchten wir nicht“, beschreibt Bieber die Situation. Und diese Videos sorgen dafür, dass es mit dem bescheidenen Leben bald vorbei sein sollte. Rapper Usher nahm ihn unter seine berühmten Fittiche.
Von Youtube nach Hollywood
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Klinkenputzen zum Weltruhm

Aber den großen Erfolg musste Justin Bieber sich selbst dann noch hart erarbeiten, als er den Plattenvertrag längst in der Tasche hatte. „Wir wurden nicht im Radio gespielt, was für den Erfolg eines Albums aber nötig ist“, erklärt er. „Viele dachten immer noch ich sei zu jung, um im Radio zu laufen“. Also musste sein Team den direkten Kontakt mit den Radiostationen suchen. „Das hieß, dass wir prakisch jeden verdammten Radiosender der Welt besuchen und ihn dazu bringen mussten, meine Songs zu spielen“, so Bieber. Der Plan ging auf. Noch bevor das Album „My World“ herauskam, hatte Justin Bieber vier aufeinander folgende Hitsingles zu verzeichnen. Das hatte noch niemand zuvor geschafft.

Dieser „Ich nähere mich mit Lichtgeschwindigkeit dem 24-Stunden-Arbeitstag, sieben Tage die Woche – und es gefällt mir“-Arbeitsethos und sein Durchhaltevermögen (selbst mit gebrochenem Fuß beendete er seinen Support-Act für Taylor Swift) scheinen zum Erfolgsrezept Justin Biebers zu gehören, sowie der Mut auch als Junge sentimental zu sein. „Ich habe keine Angst, Gefühle zu zeigen“, sagt der Popstar „Wenn man jemanden liebt, sollte man es ihm sagen. Usher sagt, manche Songs funktionieren am besten, wenn man ein Schluchzen in der Stimme des Sängers hört. Man lässt das Gefühl zu. So geht es mir mit diesem Song („Down to Earth“). Manchmal kommen mir dabei die Tränen“.
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Obwohl ihm Millionen Mädchen zu Füßen liegen, liebt der Teeniestar Justin Bieber nur eine: Selena Gomez
Justin Bieber ist ein eben ein Romantiker. Ein „Softie“, wie er sich selbst bezeichnet. „Eines Tages merkte ich, dass die Welt voller hübscher Mädchen ist“, erzählt er. „Mädchen, Mädchen, Mädchen“, seien das, worüber er am liebsten rede. Früher ließ nichts seinen „Puls so rasen wie Hockey (...) außer Beyoncé. Heute liebt er Sängerin und MTV-Star Selena Gomez. Sie hält auch zu ihm, obwohl Vaterschaftsgerüchte auftauchten. Ein weiblicher Fan behauptet, mit ihm nach einem Konzert ein Kind gezeugt zu haben. Jetzt geht Justin Bieber in die Offensive. Er will einen Vaterschaftstest machen. Trotz des gewaltigen Rummels um seine Person: Abheben wird Justin Bieber wohl nicht. „Meine Welt ist sehr schnell sehr groß geworden und es gibt Leute, die sich darin verlieren würden“, sagt er, „Mir werden immer wieder dieselben beiden Fragen gestellt. ‚Wie hat alles angefangen?‘ und ‚Wie schaffst du es, auf dem Boden zu bleiben?‘ Meinen Erfolg verdanke ich Gott und Menschen, die mich lieben und unterstützen.“
Titel: „Erst der Anfang: Mein Leben“

Text: Justin Bieber

Verlag: Goldmann, 2011

Preis:
um 10 Euro

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ups  |  10.11.2011, 10:46
Phänomen
"Der Hersteller von Bieber-Spielzeugpuppen mit Echthaar muss nachscheren und büßt dadurch rund 100 000 Dollar ein." Was für eine Tragödie! Wird Bieber eigentlich nie im Radio gespielt? Nun muss ich mich doch mal zu YouTube aufmachen, um zu erfahren, ob es sich lohnt, sich mit ihm zu beschäftigen. Lohnen tut es sich nur, wenn er gute Musik macht.

Nörgler  |  10.11.2011, 09:49
Und so wird
der Bambi zum Bubi
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