Die kleine GeschichteDas Korsett

Es ist goldener Käfig aus Stoff, aus dem uns die Männer nur zu gern befreien, und ein Folterinstrument. Die kleine Geschichte des Korsetts.

Die ersten Korsetts waren aus Eisen. Sie drückten die Brüste platt, richteten den Rücken auf und betonten den Bauch. Im 15. Jahrhundert waren sie für Frauen bestimmt, die an Missbildungen litten. Mit der Zeit aber entwickelten sie sich zu einem furchterregenden Werkzeug der Verführung. Und die Frauen machten mit: Sie zwängten sich freiwillig in die hübschen Zwangsjacken, vor denen schon viele Männer kapitulieren mussten. Die berühmte Wespentaille ist in aller Munde.

Dabei stand eher der Schmetterling Modell: betonte Schultern, imposante Reifröcke und eine immer enger geschnürte Taille. So sah das Schönheitsideal des 19. Jahrhunderts aus. Anfang des 20. Jahrhunderts geriet das Korsett dann auf die schiefe Bahn. Mit Spitze und Stickereien in Szene gesetzt, ziert es die Tänzerinnen des „french cancan“ und manch leichte Dame, wie die schöne Otéro im Pariser Moulin Rouge, die von den Zuwendungen ihrer Liebhaber lebte.

Aber das Korsett hat nicht nur Verehrer. Es zählt mehr und mehr Kritiker. Es nimmt den Frauen die Luft und lässt sie in Ohnmacht fallen. Es bricht ihnen die Rippen und lässt sie zu früh sterben. Erst ein großer Krieg bringt die Frauen dazu, sich des Korsetts zu entledigen. Es verschwindet bis der berühmte Designer Christian Lacroix es wieder in Mode bringt. Bei seinen Modellen siegen beide: der Komfort und die Weiblichkeit.