Keri Jackson bei „Das perfekte Model“Sind Männer auf dem Laufsteg die besseren Frauen?

von AMICA Online Redakteurin
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Drag-Queen bei „Das perfekte Model“

Eine blonde Frau betritt den Laufsteg, posiert. Pam, pam, pam, hämmern ihre High Heels über den Laufsteg im Takt der Musik. Ihr Blick verführt, die Hüften schwingen. Ein Auftritt, so energiegeladen, dass den Jurorinnen Eva Padberg und Karolína Kurková die Münder offen stehen. Sie sind sich einig. Diese Schönheit hat beim Massen-Casting von „Das perfekte Model“ den besten Lauf hingelegt. Es gibt nur ein Problem: Die Kandidatin Keri Jackson ist in Wirklichkeit ein Kandidat. So darf sie, beziehungsweise er, zwar außer Konkurrenz noch am Foto-Shooting der nächsten Runde teilnehmen, scheidet dann aber aus.

In Zeiten des androgynen Andrej Pejic, der mal als Frau, mal als Mann die Mode großer Designer präsentiert, spielt das Geschlecht eigentlich kaum noch eine Rolle. Keri Jackson selbst aber findet die Entscheidung der Jury gerechtfertigt: „Um ähnlich gut auszusehen wie Andrej Pejic brauche ich sehr viel Make-up und war daher gar nicht beim Casting, um zu gewinnen. Ich wollte nur die Öffentlichkeit auf mich aufmerksam machen.“ Schließlich trete er im Nachtleben als Beyoncé Knowles auf. Mit einer derartig guten Rückmeldung der Jury hätte er niemals gerechnet. „Ich dachte sogar, der Catwalk-Trainer mache sich über mich lustig, als er mir sagte er müsse mir nicht mehr helfen“. Als Wesen zwischen den Geschlechtern wie Pejic fühle er sich nicht, sondern wirklich als Mann.

Die langen Haare und hohen Hacken seien für ihn nur Verkleidung und seine Verwandlung ein Kraftakt. Trotzdem ist das australische Model für die deutsche Drag-Queen Vorbild. „Er ist ein Mann, der Frauenkleider trägt und somit die Modebranche revolutioniert“, sagt der 20-Jährige.

Die schönsten Bilder von Andrej Pejic

Dass ein Mann sich beim Massen-Casting gegen tausende Mädchen durchsetzt, fällt auf. Dass ein Mann zu den gefragtesten Frauenmodels der Welt gehört, ebenfalls. Und auch abseits der Kameras sind Männer den Frauen einen High-Heel-Schritt voraus. „Wie ich sind die meisten Catwalk-Trainer männlich“, weiß Jorge González, bekannt aus „Germany’s next Topmodel“. Eine Zahl kann er nicht nennen, aber es seien viele. Sein Vorgänger in der Show war etwa Bruce Darnell.

Das wirft die Frage auf: Sind Männer die besseren Frauenmodels? „Nein“, findet Jorge González. „Ob sich jemand gut bewegen kann, hat nichts mit dem Geschlecht zu tun, sondern ist individuell bedingt.“ Von 15-jährigen Mädchen könne man nicht verlangen, dass sie sich so gut bewegten wie 25-jährige „Chicas“. Aber einen Vorteil räumt er den Männern trotzdem ein: „Sie sind selbstbewusst, finden sich attraktiv und haben keine Hemmungen das zu zeigen.“ Anstatt einfach ihren Job zu machen, hätten die „Germany’s next Topmodel“-Teilnehmerinnen hingegen oft Angst vor Zickereien.

© Mercedes-Benz Fashion Week
Jorge González in Aktion bei der Fashion Week Berlin im Juli 2011

Keri Jackson bietet jedoch eine Erklärung dafür, dass viele Travestie-Künstler besser laufen als Frauen: „Sie beobachten Models und Schauspielerinnen ganz genau und studieren typisch weibliche Bewegungen vor dem Spiegel ein.“ So trainierten sie ihr Körpergefühl.

An eine Maskulinisierung der Modelwelt glaubt Jorge González dennoch nicht. Vielmehr passiert für ihn derzeit eine Annäherung der Geschlechter. „Es gibt immer mehr Unisex-Mode und auch Frauen präsentieren bei Männermodenschauen Anzüge.“ Für die Zukunft hofft er auf noch mehr Individualität. „Männer sollten ganz selbstverständlich auch High Heels tragen können – wenn sie wollen. Ich schreibe Ihnen ja auch nicht vor, dass Sie nur Röcke tragen dürfen.“

Es geht also nicht darum, dass Männer die Frauen vom Catwalk verdrängen und damit die Weiblichkeit verloren geht. Sondern darum, dass unsere Gesellschaft immer toleranter wird.

Da sind sich González und Jackson einig. Obwohl der „GNTM“-Trainer meint „Androgynität gibt es schon immer, in den 70ern zum Beispiel in Form von David Bowie“, hat sich in den letzten Jahren viel getan. 2010 etwa schaffte die Transsexuelle Lea T mit einer Kampagne für Givenchy den Durchbruch im Modelgeschäft.

Und Keri Jackson verrät: „Vor zwei Jahren hätte ich mich noch nicht getraut, bei Das perfekte Model als Frau anzutreten. Jetzt bin ich überwältigt von dem Zuspruch. Bei meiner Mutter steht das Telefon nicht mehr still, weil ganz Aachen ihr gratulieren will."

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