DLD Women 2013 Luxus macht reich – Internet macht reicher!

von AMICA Online Redakteurin
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User-Foto aus der Social-Media-Kampagne '!24:7' von Jimmy Choo
Zuerst geht es zurück in die Vergangenheit. „Schon die alten Ägypter liebten Luxus“, referiert Scott Galloway bei der Konferenz Digital Life Design Women (kurz: DLD Women) im Münchner Schloss Nymphenburg. Hier treffen sich Internet affine Experten aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Technologie, um über die Chancen von Frauen in der modernen Welt zu diskutieren. Und während in den Goodie Bags der Gäste Lippenstifte, Mascaras und Nagellacke der Firma Cartrice warten, erklärt der Marketing-Professor von der New Yorker Stern School of  Business, dass sich Pharaonen einst mit Mineralerde die Gesichtszüge betonten.

Geschäfte mit dem Luxus sind für den Experten das „beste Business“ überhaupt. Das sei so noch vor Erfindung von Mikrochips gewesen – als die filigranste Technik noch in teuren Armbanduhren zu finden war – und sei heute immer noch so. Allein die Zahlen sollen es beweisen. Estée Lauder etwa schaffte 2012 einen Rekordumsatz von rund 7,4 Milliarden Euro, der weltgrößte Luxuskonzern Louis Vuitton Moët Hennessy „setzte 2012 28,1 Millarden Euro um. „Champagner und Kosmetik verkaufen sich immer“, lautet edas Urteil der Wirtschaftsmedien.

Die Gründe für den Anstieg: neue Märkte, allen voran China, und das Internet. Das passt gut zusammen. Denn die Konsumenten von Luxusgütern im Reich der Mitte sind jung. 80 Prozent der Gutverdiener haben dort ihren 41. Geburtstag noch nicht gefeiert.

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Speaker beim DLD Women 2013 v.l.: Dana Gers (Jimmy Choo), Susan Gilchrist (Brunswick Group) und Scott Galloway (NYU Stern)
Durch soziale Netzwerke eröffnen sich Unternehmen nun ganz neue Möglichkeiten für das Erreichen potentieller Kunden. „Die Technologie hat uns den Weg geebnet, um direkt mit den Konsumenten zu kommunizieren“, schwärmt Dana Gers, Panel-Teilnehmerin und Marketing-Managerin beim Londoner Accessoires-Hersteller Jimmy Choo. Fehler ließen sich vergleichsweise schnell beheben. Und diese Art der Werbung sei außerdem umsonst. Dass man es auch ohne Marketing-Budget zu Bekanntheit bringen kann, zeigt die Expertin am Beispiel des Online-Shops Nasty Gal aus Kalifornien auf. Als Ebay-Shop gestartet, handelt es sich dabei heute um das schnellstwachsende Modeunternehmen der Welt. „Allerdings“, so Gers. „Liegen hier die Preise auf niedrigem Niveau, Nasty Gal gehört nicht zu unseren Konkurrenten.“

Aber auch ein Luxus-Modelabel hat das Potential des Internets früh erkannt: Burberry übertrug 2010 als erstes eine seiner Shows live und in 3D. Heute versucht Kreativdirektor Chrisopher Bailey nicht krampfhaft die Offline-Welt in die Online-Welt zu transferieren Im Gegenteil. „Er imitiert Online-Begebenheiten in realen Geschäften“, erklärt Scott Galloway. „Wer sich hier ein Teil aus dem Regal nimmt, kann den Barcode einscannen und erhält so noch im Shop weitere Infos zum jeweiligen Kleidungsstück.“

Christopher Baileys neu aufgelegte Burberry-Klassiker avancierten zu Verkaufshits. Nun lebt sich der Designer noch mehr aus. Er spielt mit Metallic-Details, Lackeffekten, Herzchen- und TierdruckenSusan Gilchrist, Chefin der Kommunikationsberatung Brunswick Group, ist von den Internetaktivitäten des britischen Hauses ebenfalls begeistert. Und das nicht nur, weil mit Angela Ahrendts ein weiblicher CEO dessen wirtschaftliche Geschicke leitet. Sondern auch, weil es Tradition so gut mit technologischen Neuerungen verbindet. „Mein Lieblingsbeispiel für eine gelungene Kampagne in sozialen Netzwerken stammt von Burberry“, so die Marketing-Spezialistin. „User sollten Fotos von sich in ihren Trenchcoats auf der Profilseite posten. Das schuf eine sehr starke Markenverbundenheit.“ Einen ähnlichen Aufruf startete auch Jimmy Choo mit Klassikern der so genannten 24/7-Kollektion. Auf der Microsite Choo247.com zeigen sich selbst ernannte „Stylemakers“ von Beirut über New York und Singapur bis nach Sankt Moritz mit Jimmy-Choo-Schuhen. Oder Taschen.

Warum derartige Aktionen so wichtig sind? „Natürlich geht es eigentlich um die Produkte. Sie müssen schön aussehen und von guter Qualität sein“, sagt Dana Gers. „Aber was uns wirklich von anderen Firmen unterscheidet, ist unsere Aura.“ Bei Luxusgütern ginge es nicht um Funktionalität. „Wir verkaufen einen Traum“, so die Expertin. Ein anderes Mantra gelte laut Susan Gilchrist im Internet mehr als je zuvor „Glaubwürdigkeit und Distanz“, werde am Ende den Unterschied zwischen Gewinnern und Verlierern machen.  Im, wie Galloway zum Abschluss des Panels noch einmal betont, „besten Business“ überhaupt.