„Fashion Hero“-Designerin klagt„Deutschland interessiert sich nicht für Mode“

von Amici Fashion-Weeker
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©ProSieben/Richard Hübner

Yvonne Warmbier machte in der ProSieben-Modeshow „Fashion Hero“ bisher eine gute Figur. Sendung für Sendung kreiert die 32-jährige Designerin ein elegantes Outfit nach dem anderen. Alles im Stil der 50er-Jahre. Und ohne viel Wirbel. Ruhig und gelassen. Dafür wird sie von den Mentoren und den Einkäufern geschätzt. Allein bei der vergangenen Show musste sie ihrem Look untreu werden und zeitgenössische Partymode schaffen. Doch selbst das erwies sich als eine leichte Übung für Warmbier. S.Oliver schlug bei ihren glitzernden Kreationen begeistert zu. Nichtsdestotrotz, auch Warmbiers Erfolgsoutfits konnten die sinkende Einschaltquote nicht verhindern, weshalb die Show nun den Sendeplatz räumen musste. Im Gespräch mit AMICA Online äußert sich die Modemacherin zur Show und dem desaströsen Quotentief. 

AMICA Online: Frau Warmbier, wie sind Sie auf die Sendung „Fashion Hero“ aufmerksam geworden?
Yvonne Warmbier:
Ich wurde von „Fashion Hero“ angeschrieben und zum Casting eingeladen. Dort durfte ich mich und meine Mode vorstellen und wurde schließlich genommen. Ich mache bei der Sendung mit, weil ich wissen wollte, wie ich unter Zeitdruck arbeiten würde und auf die Aufgaben gespannt war, die mir während der Show gestellt werden würden. Es ist eine tolle Chance, mich als Designer weiter zu entwickeln, Erfahrungen zu sammeln und meine Mode einem so großen Publikum vorzustellen.

© s.Oliver
Kreation von Yvonne Warmbier für s.Oliver
Ihr Label gibt es seit Januar 2012. Inwiefern wurden Sie als Jungdesignerin bisher gefördert?
Ich habe bisher keine Förderung bekommen. Aber ich habe mich auch noch nie zu Wettbewerben angemeldet oder ähnliches.

Und wie fördert Sie die Show „Fashion Hero“?
Die Show macht mich stressresistenter und ruhiger. Ich weiß jetzt, dass ich blitzschnell Entscheidungen treffen kann, mit Zeitdruck überraschend gut klar komme und auch auf Knopfruck kreativ sein kann. Die Teilnahme an der Show hat mein Selbstvertrauen gestärkt. Es ist hilfreich Feedback von Fachleuten zu bekommen.

Kandidat Riccardo Serravalle stellte viermal seine Kleidung vor, nur einmal konnte er verkaufen. In der vergangenen Sendung schied er schließlich aus. Dennoch meinen die Mentoren, er sei ein großes Talent. Schafft das Konzept „Fashion Hero“ überhaupt Möglichkeiten für junge Talente?
Ja, ich denke schon. Wenn man aus der Show ausscheidet bedeutet das ja nicht, dass man ein schlechter Designer ist - nur weil manche Outfits nicht zu Karstadt, s.Oliver oder ASOS passen.

„Fashion Hero“ hängt im Quotentief. Weniger als eine Million Zuschauer sahen die vergangene Folge. Haben Sie dafür eine Erklärung?
Das ist sehr schade, denn in den USA läuft die Show unter dem Namen „Fashion Star“ sehr gut. Vielleicht liegt die schlechte Einschaltquote daran, dass sich nicht viele Zuschauer in Deutschland für Mode interessieren oder dafür, wie Mode gemacht wird.

Sie mussten in der vierten Sendung in den Fashion Showdown und kreierten aus einem kleinen Schwarzen ein Oberteil. Damit überzeugten Sie. Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Ich handle viel nach Bauchgefühl. Das ist das einzige, auf das man sich hundertprozentig verlassen kann. Mein Motto: „Wenn sich etwas nicht gut anfühlt, dann lass es.“ Im Fashion Showdown bin ich der ersten Eingebung gefolgt: Das Kleid „auf den Kopf stellen“, also andersherum auf eine Puppe ziehen und sehen, was passiert. Dann habe ich hier ein bisschen drapiert und dort etwas weggeschnitten. Schon war das neue Oberteil fertig.

© s.Oliver
Kreation von Yvonne Warmbier für s.Oliver
Wie eng war der Kontakt zu den Mentoren?
Wir hatten guten Kontakt - auch wenn die Kameras aus waren. Sascha Lilic hat sich zum Beispiel beim Mittagessen zu uns Designern gesetzt und privat mit uns geplaudert. Das fand ich sehr nett.

Mit wem von den anderen Kandidaten verstehen Sie sich am besten?
Da gibt es gleich vier Personen, die mir alle sehr nahe stehen. Jila & Jale: Wir sind zwar echt verschieden, aber doch auf einer Wellenlänge. Tim Labenda ist meine starke Schulter zum Anlehnen, wenn es mal nicht läuft. Außerdem ist er in Sachen Selbstsicherheit und Durchsetzungsvermögen mein großes Vorbild. Neben Timm Süssbrich saß ich zufällig schon im Flugzeug auf dem Weg zum Drehort und wir haben uns sofort gut verstanden. Wir Berliner müssen doch zusammenhalten.

Welches Teil der anderen hat Ihnen bisher am besten gefallen?
Das romantische Kleid von Jila & Jale aus der vergangenen Show. Leider wurde es nicht gekauft. Ich hätte es sofort genommen. Es war zuckersüß!

In der nächsten Sendung ist „Vogue“-Chefredakteurin Christiane Arp vor Ort. Wie war die Begegnung mit ihr?
Es war interessant, Christiane Arp kennenzulernen. Als die Kameras aus waren, hat sie mir einen sehr wertvollen Tipp gegeben. Sie sagte, ich solle immer nur auf mein Herz hören, egal was andere sagen. Und dass ich am Ende des Tages hinter dem stehen muss, was ich mache, und es muss sich für mich gut anfühlen. Das hat mir gerade bei der speziellen Aufgabe sehr geholfen, die ich diesen Mittwoch aufbekomme, und ich bin ihr sehr dankbar für diese Worte. Ich habe mir vorgenommen, dieses Motto für alle Bereiche meines Lebens anzuwenden.

Angenommen „Fashion Hero“ ginge für Sie diesen Mittwoch zu Ende, wie ginge es dann für Sie weiter?
So wie bisher: Ich versuche mein eigenes Modelabel weiter aufzubauen, entwerfe weiterhin schöne Mode, damit sich Frauen darin noch schöner fühlen können. Getreu dem Motto: „Aufstehen, Krone richten, weitergehen.“