Ausländische Märkte wichtigerWarum große Labels Fashion Week Berlin schwänzen

von AMICA Online Redakteurin J'adore les Parisiennes!
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Star-Magnet Fashion Week: Vor den Schauen von Hugo by Hugo Boss, Schumacher, Kaviar Gauche und Co. tummelten sich die Promis auf dem roten Teppich. Wer dort alles gesichtet wurde?Hugo Boss, Rena Lange, Basler – das ist nicht die Highlight-Liste der Designer der Fashion Week Berlin. Sie alle sind in dieser Saison nicht dabei. In den vergangenen Jahren ist die Modewoche als Event gefeiert worden, das sich in den Kalendern der internationalen Fashionistas etabliert hat. Topmodels wie Joan Smalls, Karlie Kloss und Milla Jovovich standen als Gesichter dafür. Modekritiker wie Suzy Menkes und Anna Wintour gaben sich die Ehre. Hugo Boss präsentiert die Show, die als Promi-Magnet Hollywood-Stars wie Renée Zellweger, Olivia Palermo oder Kate Bosworth anzog. Alles Vergangenheit? Ist Berlin nicht mehr „arm, aber sexy“?

Große Labels schwänzen in dieser Saison und zeigen ihre Frühjahr-Sommer-Kollektion 2014 lieber anderswo. Die Gründe dafür sind zahlreich. Für die Labels stehen Internationalisierung und eigene Events dieses Jahr ganz oben im Fashionkalender. Vom Berlin-Slogan „arm, aber sexy“ haben sie sich abgewandt. Schließlich ist die Mode ein hartes Geschäft. Ganz offen spricht das allerdings niemand aus.

„Diese Entscheidung hängt keinesfalls mit dem attraktiven Markenumfeld in Berlin zusammen, sondern ausschließlich mit Entscheidungen von Rena Lange“, heißt es beim Münchner Modehaus. „Im Jahr 2013 steht aber für Rena Lange die Neuausrichtung der Kollektion mit der neuen Designerin Annick Gorman im Vordergrund. Diesem Ziel gilt alle Konzentration, um die Marke national und international noch erfolgreicher zu machen.“

Fokus auf die internationalen Märkte

Brian Rennie widmete seine Kollektion der Welt von 007: Brokat-Muster, Schößchen und opulente Abendkleider in Gold, Schwarz, Rot und Pink versetzten die Zuschauerinnen in Verzückung.Ähnlich sieht es bei Basler aus. Das deutsche Label feierte sich mit seinem neuen Chefdesigner Brian Rennie, kehrt aber Berlin ebenfalls den Rücken. „Die Modenschau im vergangenen Januar bei der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin war ein absolutes Highlight für mich. Das ist nicht mehr zu toppen. Daher gönnen wir uns von Berlin eine kleine Auszeit“, sagt Rennie, auch Geschäftsführer von Basler. „Wir möchten die Internationalisierung des Labels vorantreiben und planen aktuell eine Fashion Show Ende Juli in Monte Carlo, bei der auch Fürst Albert und Fürstin Charlène anwesend sein werden.“

Um den Verkauf geht es bei Escada. „Nachdem Escada vier Mal an der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin teilgenommen hat, konzentriert sich das Label für das Jahr 2013 auf nationale und internationale Point-of-Sale-Aktivitäten“, erklärt Geschäftsführer Bruno Sälzer. Läden in Berlin und Frankfurt stehen ebenso wie der Online-Shop im Fokus. Sälzer weiter: „Zudem sind für 2013 weitere Openings unter anderem in China, Europa und Russland geplant.“

© Mercedes-Benz Fashion Week
Einfach mal eine Berlin-Pause einlegen. Dass das kein Problem ist, hat Leyla Piedayesh vorgemacht. Die Lala-Berlin-Designerin hatte sich im Sommer 2012 kurzerhand eine Auszeit genommen. Sie wollte zur Ruhe kommen und das Tempo rausnehmen. Stattdessen hat sie im Herbst in ihrem Pariser Showroom die Kollektion präsentiert. Dass ihre Entscheidung derart große Diskussionen auslösen würde, damit hatte sie nicht gerechnet. „Es war nicht strategisch geplant. Ich finde es total richtig, den Schritt nach Paris zu gehen, wenn man weiterkommen möchte“, sagte Piedayesh im AMICA-Online-Interview. Allerdings sei Berlin sehr gut für den deutschsprachigen Raum und ihre wichtige Basis. Lala Berlin gehört in dieser Saison also definitiv zu den Highlights der Modewoche.

Für Hugo, die jüngere Linie aus dem Hause Hugo Boss, steht in diesem Jahr das eigene 20-jährige Jubiläum im Vordergrund. Mit einem großen Event wird das im Juli in London gefeiert. Deswegen sei die Fashion Week Berlin vorerst auf Eis gelegt, heißt es auf Anfrage von AMICA Online. Lediglich ein kleiner Showroom-Termin sei geplant. Für das Metzinger Unternehmen stehen der asiatische (Show von Boss in Schanghai) und nordamerikanische Markt (Show von Boss in New York) im Vordergrund.

Und was sagt der Veranstalter dazu, dass die Promimagneten in dieser Saison ausbleiben? „Der große Erfolg der deutschen Modeindustrie bedeutet, dass diese Saison manche unserer Schlüsselmarken mit einem Teil ihrer Marketingaktivitäten der neuen Saison expandieren. Es ist sehr spannend, die globalen Initiativen mitzuerleben, die deutsche Schlüsselmarken wie Boss in letzter Zeit verwirklichen“, gibt sich Jarrad Clark, Global Director Production, IMG Fashion Events & Properties diplomatisch. „Die Mercedes-Benz Fashion Week Berlin war und wird auch zukünftig eine großartige Marketingmöglichkeit für deutsche wie auch internationale Marken sein.“

Laufstege frei für Jungdesigner

© foto di matti/ Matti Hillig
Während die großen Labels ihren Fokus aufs internationale Geschäft richten, haben die jungen Labels freie Laufstege. Gleich zwölf Labels präsentieren in dieser Saison ihre Kreationen zum ersten Mal an der Spree: Achtland, Aquilano Rimondi, Glaw, Hochschule Pforzheim, Ivanman, Julian Zigerli, Kiesel, Moga E Mago, Riani, Satu Maaranen, Umasan, Vonschwanenflügelpupke.

Eine Newcomerin, die nun schon zum dritten Mal dabei ist, ist Isabell de Hillerin. Große Chance, große Herausforderung. Vor allem finanziell. Mit Crowdfunding geht die Berlinerin einen neuen Weg, auf dem sie die Fangemeinde im Internet mit einspannt. „Gerade als junges Label ist es schwer, alle finanziellen Herausforderungen zu stemmen“, erzählt de Hillerin im Gespräch mit AMICA Online. „Auf Crowdfunding bin ich gekommen, weil es viele Modeinteressierte gibt, denen wir viel bieten können wie Casting, Anprobe und die Show selbst. So haben sie die Möglichkeit das mitzuerleben und gleichzeitig mich als Designerin zu unterstützen.“ Die Summe, die dabei zusammenkommt, investiert Isabell de Hillerin ins Fotoshooting und vor allem in die Models. 300 Euro möchte ihnen die Berlinerin mit rumänischen Wurzeln gerne zahlen. Ein Zwiespalt. „Das ist für mich das Minimum und ich möchte die Models ungern nur mit einem Kleidungsstück bezahlen, andererseits muss ich das Geld erst einmal aufbringen“, so de Hillerin. Sie wünscht sich eine Mischung aus professionellen und Newcomer-Models.

Etwas, das Jarrad Clark auch für die Modewoche sieht. Der Veranstalter ist sich sicher, dass die von ihrer Designer-Mischung lebt und verspricht: „Diese Saison wird die Mercedes-Benz Fashion Week Berlin wieder die Gelegenheit bieten, einen Mix aus bestehenden sowie aufstrebenden Designern aus Berlin und aus dem Ausland zu bestaunen und wir freuen uns schon darauf, die Brands in der Zukunft wieder willkommen heißen zu dürfen!“