Design-Stars und eine ZahnlückeDiese jungen Wilden erobern die Berliner Modewoche

© Mercedes-Benz Fashion Week
Vollen Körpereinsatz zeigte Georgia May Jagger beim Shooting für das Kampagnenbild der Mercedes-Benz Fashion Week Herbst/Winter 14/15.
Den sprichwörtlichen Wermutstropfen gibt es ja immer. Auch bei der Mercedes-Benz Fashion Week. Denn mal wieder fehlen bei den Schauen die ganz großen, bereits etablierten Namen: Kein Hugo Boss, kein Escada, keine Rena Lange. Ein Grund, neidisch auf andere Mode-Metropolen wie New York oder Paris zu schielen, ist das aber nicht. Die quirlige Bundeshauptstadt besinnt sich in diesem Jahr nämlich immer mehr auf ihre eigentliche Stärke: Junge und kreative Designer werden im Mittelpunkt stehen, Modemacher, die mit innovativen Ideen die Trends für morgen und übermorgen setzen.

Ganze elf Designer geben bei den Schauen, die am 14. Januar starten, ihr Debut. Mit am gespanntesten wird die Präsentation des Labels Filippa K aus Schweden erwartet. Die schlichte Eleganz und die zurückhaltenden Schnitte des skandinavischen Design-Hauses sorgen nämlich für Verkaufs-Rekorde, erobern ganz Europa und auch den deutschen Markt. Das Besondere: Bisher dominierten einheimische Designer die Modewoche fast ausschließlich, mit Fillippa K wird Berlin ein kleines bisschen internationaler. „Unsere Markenphilosophie passt zu Berlin: Ein moderner, cleaner Stil mit Fokus auf gute Passform, hohe Qualität und zeitloses Design“, erklärt Designerin Nina Bogstedt die Entscheidung ihres Labels. Scheinbar der Beginn einer neuen deutsch-schwedischen Liebe, denn auch mit Julia Stegner setzte Filippa K 2013 bereits auf ein Model mit deutschen Wurzeln.

© dpa/Jens Kalaene
Make-up-Artist Boris Entrup stylt bei Lookproben das Model Gabriela für das Label Lena Hoschek.
Doch neben Filippa K gibt es noch weitere Neulinge auf den Berliner Runways. Dazu gehören etwa die eineiigen Zwillinge Sandra und Anja Umann von Umasan, die mit ihrer veganen und nachhaltigen Mode bei einem Wettbewerb des Senats die Chance zu einem der begehrten Runway-Auftritte gewonnen haben. Ebenfalls neu am Start: die aufstrebende russische Designerin Alena Akhmadullina, für die das Magazin „Elle“ eigens eine „Nuit Privée“ in der russischen Botschaft organisiert.

Die jungen Wilden haben Berlin also fest in ihrer Hand. Vielleicht haben die Organisatoren ja gerade deshalb Georgia May Jagger als Gesicht der offiziellen Kampagne der Merceds-Benz Fashion Week ausgesucht. Sie ist für ihre sexy Zahnlücke bekannt - und natürlich für ihre prominenten Eltern, Supermodel Jerry Hall und Rolling-Stones-Frontmann Mick Jagger. Rock 'n' Roll pur also.

© Mercedes-Benz Fashion Week
Designer Guido Maria Kretschmer
Aber auch ein bisschen traditionell darf es in diesem Jahr wieder zugehen: Erneut eröffnet der für seine puristischen Kreationen bekannte Hien Le den Laufstegreigen. Feste Größen sind auch Labels wie Kaviar Gauche, Kilian Kerner, Lala Berlin, Perret Schaad, Patrick Mohr, Marcel Ostertag, das deutsch-französische Designer-Duo Augustin Teboul sowie der frischgebackene Bestsellerautor und „Shopping Queen“-Juror Guido Maria Kretschmer.

Neben den traditionellen Laufstegschauen am Brandenburger Tor gibt es ein Dutzend Einzelmessen mit unterschiedlichem Profil, zahlreiche Showrooms und natürlich jede Menge Partys, Events und Medienveranstaltungen. Rund 250 000 Besucher werden erwartet. Bei den begleitenden Mode-Messen, die vor allem für die Einkäufer interessant sind, verteidigt die „Bread & Butter“ am ehemaligen Flughafen Tempelhof ihre Position als Platzhirsch. Wo zu Zeiten des Kalten Krieges die Rosinenbomber landeten, zeigen jetzt unter dem Motto „Ich bin ein Berliner“ rund 600 Aussteller angesagte Straßen-, Sport- und Jeansmode.

Jede Menge Inspiration können sich Fashionistas also bei diesem Event holen. Und auch die Stadt Berlin freut sich über das bunte Angebot. Jede Fashion Week bedeutet nach Angaben von Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer eine zusätzliche Wirtschaftsleistung von rund 120 Millionen Euro. Nicht schlecht!

Quelle: dpa