Fashion Week Berlin Herbst/Winter 12/13 Promis im Mode- statt Champagner-Rausch
Ohne viel Tamtam feierte die Fashion Week Berlin ihre zehnte Saison. Das heißt: Keine Party bei Hugo Boss, dafür jede Menge Liebeserklärungen der Stars an die deutsche Mode.
Text: Veronika Schaller
& Kerstin Kotlar
Seit zehn Saisons gibt es sie nun: die Fashion Week Berlin, gesponsert von Mercedes-Benz. Musste sie bis vor kurzem noch für ihre Berechtigung kämpfen, scheint sie sich nun etabliert zu haben. Nicht zuletzt, weil der Tourismus in der Hauptstadt boomt. Anfang 2012 hatte die Stadt schon 30.000 Betten mehr als New York. Berlin selbst ist angesagt. „Berlin ist so inspirierend. Es ist eine Stadt für junge Designer“, sagte zum Beispiel das niederländische Model Lara Stone im Interview mit AMICA Online. Hannah Herzsprung erzählte: „Auch meine Freunde im Ausland kennen Berlin und würden hier gerne einmal herkommen.“ Sie hält die Modewoche für unverzichtbar. Schließlich sei sie ein wichtiges Sprungbrett für deutsche Designer.Nachwuchs-Talente bekamen hier eine Plattform, um ihre Werke zu präsentieren: Michael Sontag etwa, Marcel Ostertag oder das allseits gehypte Design-Duo Johanna Perret und Tutia Schaad, das Hannah Herzsprung ebenfalls mit ihrer Präsenz unterstützte und natürlich ein Kleid des Labels trug. Auch der Wettbewerb „Designer for Tomorrow“ von Peek & Cloppenburg unter der Schirmherrschaft von Marc Jacobs gehört zu einem festen Bestandteil der Modewoche. Die Modeschulen-Absolventin Alexandra Kiesel durfte im Januar 2012 ihre erste eigene, mit Hilfe des Star-Designers entwickelte, Kollektion präsentieren.
Dorothee Schumacher, eine der bekanntesten deutschen Designerinnen, expandiert zwar gerade massiv ins Ausland – in Planung sind neue Shops in China – will aber Berlin in der Zukunft weiter treu bleiben. „Ich bin stolz in Berlin zu zeigen, weil es schön ist, meine internationalen Gäste hierher einzuladen. Die kommen nämlich sehr gerne“, erklärte sie. „Natürlich ist die Mercedes-Benz Fashion Week eine noch junge Plattform, aber sie hat unglaublich viel dazu gelernt und an Respekt gewonnen. Es ist toll zu den beständigen Partnern zu gehören. Ich bin sehr gerne hier.“ Trotzdem: Das kleine Jubiläum der Modewoche wurde nicht groß gefeiert. Hatte Lala Berlin etwa im Sommer nach seiner Kollektionsinstallation auf einem alten Industriegelände eine Party geschmissen – Open-Air mit Cocktails & Co., veranstaltete das Label diesmal eine „normale“ Fashion-Show in der „normalen“ Location am Brandenburger Tor. Auch Hugo Boss, eigentlich für Feste der Superlative bekannt, war dieses Jahr nicht in Spendierlaune. Statt der typischen XL-Party gab es nur ein gesetztes Dinner für die wichtigsten Gäste wie die Hollywood-Stars Julianne Moore und Jared Leto, oder deutsche Promis wie Matthias Schweighöfer, Cosma Shiva Hagen und Palina Rojinski. „Aus Kostengründen“, wie Insider bestätigten, fiel die große Sause aus.
Auf Michael Michalsky jedoch, den großen Show-Master, war wieder Verlass. Er lud rund 1500 Gäste in das Berliner Tempodrom zur „StyleNite“, um seine Kollektion für den nächsten Winter unter dem Motto „Lust“ zu präsentieren. Das und den Live-Act Marina & The Diamonds wollten sich Stars wie Boris Becker, Karolína Kurková, Alexandra Neldel, Peter Fox oder Sabine Christiansen nicht entgehen lassen.
Ein riesiges Staraufgebot gab es etwa auch bei der Show von Guido Maria Kretschmer, sowie bei Lala Berlin, Rena Lange, Mongrels in Common und Laurèl. Die meistgesehendsten bekannten Gesichter: Nora von Waldstätten („Ich bin ein großer Fan von Kilian Kerner.“), Bettina Zimmermann („Ich liebe es mit verschiedenen Stilen zu spielen.“), Mirja du Mont („Ich habe zwanzig verschiedene Outfits dabei.“), Jenny Elvers-Elbertzhagen („Mit Michalsky verbindet mich eine tiefe Freundschaft.“), Nova Meierhenrich („Ich liebe starke Farben, wie sie bei Laurèl zu sehen waren.“), Alexandra Neldel („Ich bin ein großer Fan der Blusen von Mongrels in Common.“), Shermine Shahrivar („Lala Berlin ist mein Lieblingslabel“). Zur Modewoche leben sie alle ihre Modeliebe in vollen Zügen aus. Ist es doch eine wunderbare Gelegenheit nach Outfits für die nächsten Rote-Teppich-Events Ausschau zu halten. „Ich hole mir viele Inspirationen. Und klar bietet es sich an, bei den Mädels einmal anzufragen, um das ein oder andere Stück für eine Veranstaltung auszuleihen“, verriet Neldel beispielsweise nach der Show ihrer Favoriten. „Das zarte, weiße Kleid hat mir super gefallen, das muss ich gleich reservieren“, schwärmte Marie Bäumer von Kaviar Gauche. „Diese Show war mein absolutes Highlight. Ich kenne das Label quasi von den Babyschuhen an und bin ein großer Fan. Es ist schön an der Entwicklung und dem weiteren Aufbau der Marke teilzuhaben.“ Dass Styling in erster Linie Spaß machen soll, darin sind sich die Schauspielerinnen einig. „Bei Mode generell kommt es immer darauf an, wie viel Bedeutung ich ihr gebe“, erklärte Bäumer im AMICA-Online-Interview. „Mal hat sie, wie jetzt, mehr Raum, weil ich einfach Spaß daran habe. Dann rückt sie wieder in den Hintergrund, wenn andere Dinge wichtiger sind.“ Gleich nach der Fashion Week bereitet das Multitalent zusammen mit Musikern in Hamburg Lesungen vor. Im März wird sie ihr Theaterstück „Adieu“, das gerade ins Französische übersetzt wurde, in Paris, Lyon und Avignon vorstellen.
Cosma Shiva Hagen, die bei G-Star den „Mix aus casual und Abendgarderobe spannend“ findet, steht Wohlfühlen auch beim Rote-Teppich-Styling im Vordergrund. „Bei mir muss es gemütlich sein. Weil ich ja kein Hungerhaken bin, stehe ich nicht auf ganz knallenge Sachen“, verriet die Schauspielerin. Die rauschenden Volantskleider von Kaviar Gauche dagegen betörten Heike Makatsch, die für ihren nächsten Auftritt gleich eines davon ausgesucht hat. Eine Vorstellung, die für ihre Kollegin Fritzi Haberlandt noch immer ein Traum ist. Die Trends für nächsten Winter: Asymmetrische Rücke (vorne kurz, hinten lang), sanfte Pastelltöne (besonders häufig gesehen: ein blasses Gelb-Grün), dunkles Blau oder Petrol, Bordeaux, Materialkombination aus fein und grob (z.B. Chiffon und dicker Strick, Baumwolle und Leder), kastige Schnitte, fließende Seidenkleider und entweder künstlerisch-starke Prints oder sehr reduzierte Optiken in gedeckten Farben. Frauen zeigen ihre Weiblichkeit vielmehr in zurückhaltender Eleganz als in opulent inszenierten Silhouetten.
Was in Erinnerung bleibt, sind ein paar visionäre Kreationen. Vor allem die Kollektionen von Lala Berlin, Schumacher, Kaviar Gauche und Perret Schaad wurden von Moderedakteuren bewundert.
Zu den überzeugtesten Befürwörtern der Fashion Week Berlin gehört übrigens Michael Michalsky. Zieht er anlässlich des Jubiläums Bilanz, zeigt er sich sehr zufrieden. „Es gibt jetzt 52 Shows, zu den Anfängen waren es nur elf“, freut er sich. „Und es gibt nicht mehr nur zwei Messen, sondern fünf oder sechs. Im Sommer kommt noch eine riesengroße dazu.“ Als Prophet hat sich der Designer schon erwiesen, als er vor Jahren den Untergang der Düsseldorfer Modemesse CPD proklamierte und dafür ausgelacht wurde. Jetzt wagt er eine kühne Prognose: „Ich glaube, wir können uns gar nicht vorstellen, wie groß die Fashion Week in Berlin überhaupt noch wird. Innerhalb der nächsten fünf Jahre wird sie mit Sicherheit noch sehr stark wachsen und auf eine komplette Woche erweitert werden. Internationale Designer werden in der Stadt Dependenzen einrichten. Außerdem glaube ich, dass Berlin zu den vier wichtigsten Modestädten der Welt zählen wird. Paris, Mailand, New York und Berlin.“ Klingen würde das jedenfalls gut.
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