Fashion Week Berlin Mode in Porno-Form

 

Was große Fashion-Labels mit verruchten Kampagnen andeuten, erzählen zwei Blogger in einem Kurzfilm zu Ende. „Será el comienzo“ ersetzt die Fantasie durch Sperma.
Text: Veronika Schaller
© Screenshot Dandydiary.de
Damit, dass große Nachrichtenmedien über seine Aktion berichten würden, hätte David Roth von „Dandydiary.de“ nicht gerechnet. Eine große Reportage auf Spiegel Online gab es. Und sogar in der ARD wurde ein Bericht über das Event ausgestrahlt. In der Folge brach aufgrund von zu viel Traffic der Server zusammen. Mit den Worten „Der Wahnsinn“ kommentierte der Modeliebhaber dieses Echo. Das Besondere an der „Dandydiary“-Party am Vorabend der Berliner Fashion Week: Gezeigt wurde – in einem Sex-Shop – ein modischer Porno. Der wohl erste der Welt.

„Mode läuft auf Sex hinaus. Wir drehen das um: Bei uns führt der Sex zur Mode“, sagte Jakob Haupt, einer der zwei Betreiber des Männermodeblogs gegenüber Spiegel Online. „Man kann unseren Film kritisch sehen oder einfach ästhetisch.“ Es sollte zu Ende erzählt werden, „was in mindestens jeder zweiten Fashion-Fotostrecke und in den momentan schwer angesagten Fashionfilmen der großen Modehäuser immer explizit angedeutet, aber doch nie zum Abschluss gebracht wird.“
© Screenshot Dandydiary.de
Das Ende ist der Anfang im Modeporno „Séra el comienzo"
Also präsentieren die Macher in ihrem dreiminütigen Kurzfilm „Será el comienzo“, zu Deutsch „Das wird der Anfang sein“, was bei erotisch aufgeladenen Fashion-Kampagnen der Fantasie des Betrachters überlassen bleibt. Manchmal mehr, manchmal weniger. Bei einer aktuellen Kampagne von Philip Plein etwa, verdeckt nur ein Totenkopfaufkleber die Intimzone des Models. 2011 räkelte sich Rihanna in Unterwäsche von Armani auf dem Lederrücksitz eines Autos, einen BH-Träger schon von der Schulter gestriffen. Für Burberry legte sich der britische Schauspieler Eddie Redmaye auf Model Clara Delevigne, die ihn am Kragen zu sich zog. Alle ahnen, was in dieser Szene gleich passieren wird. Kritiken hagelte es zuletzt für die Kampagne zu Marc Jacobs’ Duft „Lolita“, in der die 17-jährige Dakota Fanning den Flakon wie ein Phallus-Symbol im Schoß hält. Sex sells.

Die Protagonisten im Modeporno von „Dandydiary.de“ ziehen sich nicht aus, sondern an. Es geht explizit zur Sache und beginnt mit seinem Höhepunkt. Zoom auf ihren Ring, das Bild hält an: „Unisex Curated by JP Singson“ steht da. Am Schluss stehen die Darsteller komplett angezogen voreinander. Sie in Schuhen von Michael Kors, Strümpfen von Christian Dior, einem Rock von Yohij Yamamoto und einem Schulter-Pad aus Leder von Esther Perbandt. Er in einem Hemd von Dolce & Gabbana und in einem Mantel von Rick Owens. Das sieht schön aus. Aber ob man den Anfang des Films wirklich sehen will, sei dahingestellt. Fest steht: Redestoff liefert, was mit Sex schockiert. Und sexy Fotos mit Models in Unterwäsche, schockieren in unserer Gesellschaft schon lange nicht mehr.

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