Frühjahr/Sommer 2012: Marcel Ostertag
Killing me softly
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Bei Marcel Ostertag ist das Motto Programm: Military-Jacken aus zartem Chiffon – zum Sterben schön. Obendrein gab’s eine noch eine Überraschung vom Designer.
Text: Veronika Schaller
© Mercedes-Benz Fashion Week
Das Publikum bei Marcel Ostertag jubelt. Was ist da los? Eine dramatische Abendrobe zum Finale? Nein. Der Designer selbst ist sein eigenes Schlussmädchen. Auf 13-Zentimeter-Heels, mit weißem Rosenstrauß und Hochsteckfrisur schreitet er über den Laufsteg. Ungewöhnlich, ja. Schockierend in Zeiten des männlichen Frauenkleidungsmodels Andrej Peijic bei weitem nicht.
Nach der Show, im Backstage-Bereich, gratuliert sein guter Freund Jorge Gonzalez. Küsschen links, Küsschen rechts. „Der Walk war sensationell“, schwärmt der Laufsteg-Trainer von „Germany’s next Topmodel“. „Ich fand diese Aktion sehr mutig“, sagt er dann gegenüber AMICA Online. „Und Marcels Haare sahen toll aus. Auch der Rest der Kollektion hat mir super gefallen. Da hat einfach alles gestimmt“.
Warum der Designer sich für diesen Auftritt entschieden hat? „Ich hatte einfach Lust drauf und wollte meine Gäste erfreuen“, erklärt Marcel Ostertag. Was ihm gelungen wäre. Auch mit seiner Mode. Der Trench-Coat, den er selbst zum trug, verkörpert die gesamte Kollektion mit dem Motto „Killing me softly“. Hauchzarter Chiffon in Form eines Military-Mantels. Marcel Ostertag ist bekannt als Meister der Gegensätze. Weich trifft hart. Leder zu Seide. Fransen als Metallketten
© Mercedes-Benz Fashion Week
Auch High-Tech-Materialien kommen bei ihm oft zum Einsatz. Dieses Mal changiert Poly-Cotton an den Models, ein Mix aus Polyester und Baumwolle. So wirken bodenlange Kleider in Gold und Bronze wie flüssiges Metall. Insgesamt sind die Formen ultrafeminin. Das liegt an der Inspirationsquelle des Designers. „Ich orientiere mich immer an den späten 70er-Jahren und frühen 80er-Jahren, weil ich diese Zeit am spannendsten finde. Die Hippie-Bewegung war vorbei und alles Ladylike. Das mag ich“.
Von was der 23-jährige Wahl-Münchner träumt? „Urlaub“, sagt er und seufzt. „Seit Silvester hatte ich nur drei Tage frei, habe immer nur kurz, oft gar nicht geschlafen. Als Designer hat man niemals Feierabend.“ Dann geht er, um Backstage noch ein wenig „herumzuwurschteln“.