Frühjahr/Sommer 2012: Michael MichalskyMultikulti-Modewelt

von AMICA Online Redakteurin
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Schmelztiegel

Michael Michalsky nützt die Multikulti-Models bei seiner Show unter dem Motto „StyleNite“ nicht nur als Kleiderständer, sondern auch als Mittel, seine Forderung nach Toleranz zu äußern.

Man muss nicht zwei Mal hinsehen, sondern drei, vier, fünf Mal. So faszinierend ist der Anblick. Aha, eine schöne Frau im offenstehenden Herrenhemd zur Anzughose. Wie gewagt, sie trägt nichts als ihre langen, blonden Haare über den Brüsten. Aber Moment, das sind doch gar keine Brüste. Oder? Nein, sind es nicht. Denn Michael Michalsky hatte für seine Präsentation der Frühjahr-Sommer-Kollektion 2012 den 19-jährigen Andreij Pejic nach Berlin geholt.

© REUTERS

Der Australier mit serbischen Wurzeln läuft sowohl in Männer-, als auch in Frauenmode über die Catwalkw und gehört derzeit zu den gefragtesten Models der Welt. Jean-Paul Gaultier und Marc Jacobs sind bereits Fans.

Das passte zum Thema von Michael Michalskys Gigashow „StyleNite“ (rund 1.400 Gäste lud der Designer in die Location Tempodrom). „Tolerance“ stand in großen weißen Lettern über der Bühne. „Auf die Idee hat mich Angela Merkels Aussage vor sechs Monaten gebracht, Multikulti wäre tot“, erklärte der Designer vor der Schau im Backstage-Bereich. „Das hat mich wahnsinnig geärgert, denn in meinem Freundeskreis, in meinem Arbeitsumfeld und meinem Stadtviertel hat Multikulti überhaupt nicht versagt.“

Der „politisch sehr engagierte“ 44-Jährige demonstriert auf seine Weise. „Neben Toni Garrn, die meine Muse ist, und Andreij Peijc, habe ich Jungs und Mädels mit afrikanischen, asiatischen und arabischen Wurzeln dabei“. Obendrein beschäftigte er einen hübschen Jungen mit verkürztem Bein und die 65-jährige Eveline Hall. Botschaft: „In meiner Welt gibt es keine Unterschiede zwischen Menschen mit verschiedenen sexuellen Orientierungen, körperlichen Voraussetzungen oder Hautfarben.

Einen Trend sieht Michael Michalsky für Männermodels in Frauenkleidung allerdings nicht direkt. „Wenn man in der Großstadt lebt, findet man so etwas ganz normal. Und betrachtet man die vielen Unisex-Kreationen, ist die Entwicklung nur logisch. Frauen tragen Blazer im Herrenstil, Männer hautenge Röhrenjeans.“

Tolerante Fashion

Sein Motto Toleranz zieht sich auch als Faden durch die Kollektion. Dafür hat er sich die multikulturelle Gesellschaft auf den Berliner Straßen ganz genau angesehen. „Zwei Menswear-Hemden sind ganz klar inspiriert von den Hemden muslimischer Mitbürger, Stickereien erinnern an traditionelle osteuropäische Hemden, meine eigens kreierten Schuhe sind eine Mischung aus orientalischen Schlappen, Sneakers und Cowboy-Boots.“

Wer bei so viel Ethno aber an wilden Mustermix oder pluderige Haremshosen denkt, liegt allerdings falsch. Monochrom und geradlinig kommen die meisten Stücke über den kreisrunden Laufsteg. Ein scharf geschnittener und reduzierter Long-Blazer hier, Bermudas mit Kontraststreifen dort, ein Lederbustier zum Chiffonrock, gekreppte Bustier-Jumpsuits mit Taillengürtel, ein fast bodenlanger Kaschmir-Cardigan. Insgesamt sehr tragbar und für Business-Frauen designt. Dominierende Farben: Neongelb, Kobaltblau, Weiß und Schwarz.

Prints im typischen Michalsky-Stil gibt es natürlich auch. „Hierfür arbeite ich mit dem Künstler Lukas Feireiss zusammen“, erklärt der Modemacher. „Dieses Mal habe ich seine Collage als Foto auf feinste Seide mit Laser drucken lassen.“ Der Clou? „Von weitem sieht es aus wie traditionell osteuropäische Folklore. Erst aus der Nähe erkennt man, dass es sich um Symbolbilder handelt, die die Vielfalt unserer Gesellschaft darstellen.“

Und Michalsky wäre nicht Michalsky, wenn er die Vielfalt der Gesellschaft nicht mit einer wahren Show feiern würde. Zum Auftakt gab es eine Lichtperformance des Künstlers Gert Hof, später einen Gig der britischen Band „Mirror“. Nach der Präsentation seiner Beachwear-Kollektion „Lascana by Michalsky“ heizte das DJ-Duo „Tiefschwarz“ dem Publikum auf der Terrasse ein – bei Häppchen und Champagner. Ein derartiges Event ließen sich auch Promis wie Lena Gercke, Wilson Gozalez Ochsenknecht, Shermine Shahrivar, Lily und Noah Becker, Klaus Wowereit, sowie Jenny Elvers-Elbertzhagen nicht entgehen.