Frühjahr/Sommer 2013: Marc CainExotische Premiere verzaubert Knuppe und Flint

von AMICA Online Redakteurin J'adore les Parisiennes!
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„Wir feiern nicht nur Premiere auf der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin, wir haben uns hierfür auch eine außergewöhnliche Inszenierung unter dem Motto ‚Magical Birds’ überlegt“, hat Chefdesignerin Karin Veit angekündigt. Und nicht zu viel versprochen. Im edlen Ambiente des Hotel de Rome wird ein überdimensionaler Vogelkäfig enthüllt. Darin: Models in zarten Outfits, eines schaukelt in lichtgrauer Hose und roséfarbener Bluse. Dann werden die Mode-Vögel freigelassen.

Um den Käfig lassen die Marc-Cain-Kreationen die Gedanken zur Sommerparty fliegen: Bikerjacken mit Blütenprints und Verlaufsoptik, ein Fransenrock zum Jeanshemd, leichte Seidenkleider, Schlangenprint-Hosen in Nude oder Schwarz, immer wieder Neon und natürlich das Markenzeichen Strick. Vogelgezwitscher belebt die Musik. Plötzlich geht ein Raunen durchs Publikum. Als Accessoire tragen die Models nicht nur Leo-Pumps, Neon-Sandalen oder Lack-Ballerinas, sondern Käfige mit echten Wellensittichen und bunt gefärbten Tauben.

© AGENCY PEOPLE IMAGE
Stars ließen sich im Modeparadies einfangen

Gerade noch auf ihren weißen Sitzwürfel mit bunt gemustertem Kissen geschlüpft, war Franziska Knuppe. Das Model war im Dauerstress auf der Fashion Week, begrüßte nachmittags alle noch mit „Guten Morgen“, weil sie schon völlig das Zeitgefühl verloren hatte. Gerade eben war Knuppe noch im zitronengelben Volantskleid bei Laurèl gewesen, schon saß sie im pinkfarbenen Dress mit Raffungen bei Marc Cain. Ihre Umkleidekabine: das Taxi auf dem Weg. Nur etwa eine halbe Stunde später war die schöne Blonde zurück im zentralen Zelt: auf dem Laufsteg von Marcel Ostertag.

Gestresst und doch angetan von der Marc-Cain-Premiere machte Knuppe also direkt den Abflug. Viel entspannter war da Uwe Ochsenknecht. „Eine sehr gelungene Mischung aus quietschig-bunt und elegant. Meine erste Fashion Show hat mir sehr gut gefallen“, so der Schauspieler. Frisch und lebendig fand auch seine Freundin Kirsten die Präsentation: „Die Models sind sehr gut gelaufen und sahen alle super aus.“

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Wie kamen die tierischen Models an? „Tiere können natürlich leicht ablenken, deswegen war es schon riskant echte Vögel zu nehmen“, urteilte Ochsenknecht. „Aber es hat zum Konzept gepasst. Ich persönlich habe sowieso nur auf die Models geschaut.“

Eine tolle Figur machte auch Katja Flint in ihrem schwarzen Marc-Cain-Kleid mit Spitzendekolleté und mittigen Raffungen. „Ich fand die Kollektion einerseits sehr tragbar, andererseits modisch-hip. Das helle Kleid mit dem fließenden Wildledermantel würde ich sofort anziehen“, sagte die Schauspielerin. „Die vielen Neonfarben sehen in entsprechenden Kombinationen sehr gut aus. Aber für mich sind sie nichts. Ich habe eine neonfarbene Regenjacke und fühle mich damit schon immer zu leuchtend.“ Vielleicht seien die blendenden Stoffe eher etwas für jüngere Frauen, meinte die 52-Jährige, die diese Show als einzige zwischen Textlernen für den Zdf-Film „Frau am Strand“ ausgewählt hatte.

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Neon-Innovationen und Strick-Traditionen

Der Meinung allerdings ist Karin Veit keineswegs. Selbst als bestes Gegenbeispiel führte die Designerin in ihrer Kombination aus weißem Hosenanzug und neongelbem Oberteil vor, dass Signalfarben durchaus auch für Frauen in den Fünfzigern sehr gut tragbar sind. „Ich mag diese strahlenden Farben, weil sie neutrale Töne ergänzen und man gleich viel gebräunter aussieht“, erklärt Veit, warum sie diese in allen Variationen für ihre Frühjahr-Sommer-Kollektion 2013 ausgesucht hat. Die Frauen in Deutschland sollten ruhig etwas mehr Hingucker-Töne wagen, findet sie. „Ich liebe Vögelchen und vor allem das Gezwitscher. Wenn ich früh morgens joggen gehe, genieße ich es ihnen zuzuhören und bei Stimmen der Natur zu entspannen“, sagte die Designerin zu ihrer Inspiration von „Magical Bird“.

Die aufregenden Prints und Neons beruhigt Marc Cain mit schlichten Schwarz-Weiß-Kombinationen und Streifen-Styles. Das schlichte Kleid ist in Häkel-Optik gestrickt. Denn bei all den Innovationen wie beispielsweise Technostoffen oder Viskosecrepes vergisst Veit nie den Kern der Marke, den sie weiterentwickelt: Strickware. „Wir haben unsere Strickmaschinen über die letzten Jahre immer weiter verbessert und daran gearbeitet neue, außergewöhnlichere Designs umzusetzen“, erläuterte die Designerin. Seit 1976 prägt sie die Handschrift des 1973 gegründeten Unternehmens. Helmut Schlotterer begann vom Standort des elterlichen Betriebs, Bodelshausen, aus die Maschen aufzunehmen und konventionelle Strickmuster fallen zu lassen. „So sind die Strickteile in dieser Zeit stetig aufwändiger geworden, weil wir uns die neuesten Innovationen zunutze gemacht haben“, sagte Veit. Aktuell erarbeitet Marc Cain an 88 Strickmaschinen jede Saison die Neuinterpretationen. Verstrickt werden dabei 240.000 Kilo Garn im Jahr.

© Mercedes-Benz Fashion Week
Von der Berlin-Premiere zu den Märkten der Zukunft

„Mit unserem Event wollen wir jetzt auch die Plattform Berlin als offizieller Teilnehmer besetzen“, erklärte Veit die Premiere. „Als deutsches Modeunternehmen möchten wir mit unserer Teilnahme der gewachsenen Bedeutung der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Rechnung tragen. Denn die Hauptstadt sei „neben Düsseldorf zum wichtigsten Modeereignis in Deutschland geworden und hat sich inzwischen zu einer bedeutenden europäischen Modemetropole etabliert.“

Da die Firma auf den Standort Deutschland sehr viel Wert legen, werden 80 Prozent der Strickwaren direkt in Bodelshausen produziert. „Material- und Technikinnovation spielen für Marc Cain eine große Rolle und hängen mit unserer Historie zusammen. Dieses Know-How wollen wir nicht ins Ausland geben“, sagte die Heimatverbundene. „Aus diesem Grund halten wir am Firmensitz in Bodelshausen eine Produktion im Dreischichtbetrieb aufrecht.“ Konfektioniert wird außerdem in Osteuropa, noch aus China kommen Kaschmir und Kaschmirmischungen.

Der wichtigste Markt für die schwäbische Marke ist nach wie vor Deutschland. Es folgen die Nachbarn in Belgien, Österreich und den Niederlanden, gefolgt von der Schweiz.

Darüber hinaus strickt Marc Cain am Ausbau Ost beziehungsweise Fernost. Russland und die Ukraine sowie China sind die am stärksten wachsenden Märkte. Nicht nur dass die Stadt Peking international immer mehr an Bedeutung gewinnt. „Sie reiht sich als ernstzunehmender Partner neben den Fashion Weeks in New York, Mailand, Paris und Berlin ein“, so Veit, die dort ebenfalls bereits zeigte. Auch „der chinesische Markt wird immer wichtiger. Wir sind dort mittlerweile in 50 Städten vertreten – mit 17 Marc Cain Stores, 13 Shop-in-Stores und 22 Multibrand-Boutiquen.“

Ob Marc Cain nächste Saison wieder in Berlin vertreten sein wird, hängt von der deutschen und internationalen Resonanz ab. Übrigens beruhigte die Naturliebhaberin alle Tierfreunde: „Die Vögel, die wir auf den Laufsteg gebracht haben, waren alles trainierte Filmtiere, die viel Erfahrung mit Menschen und lauter Musik haben.“ Sie saßen gelassen in den weißen Käfigen. Bei Karin Veit allerdings schwingt die Aufregung kurz nach der Premiere immer noch mit.