Glaw im InterviewJesko Wilke: „Die Fashion Week in Berlin gleicht einem Volksfest“

von Amici Fashion-Weeker
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Das Designer-Duo von Glaw ließ sich vom Rockabilly-Style der 40er und 50er-Jahre inspirieren. Zusammen mit den typischen Leder- und Seidenelementen machen sie Mode unter dem Motto "Starke Frauen".Die Show des Berliner Labels Glaw ist wohl das Highlight der aktuellen Fashion Week. Jedenfalls dem Applaus nach. Am Donnerstag Nachmittag präsentierten die beiden Designer, Jesko Wilke und Maria Poweleit, 30 Outfits der kommenden Herbst/Winterkollektion dem Berliner Publikum und wurden stürmisch bejubelt. Kein Wunder. Die Kollektion ist in sich stimmig. Die für das Label typischen Seide-Lederkombinationen in Schwarz-Weiß, Tannengrün oder Beerentönen kommen wieder zum Einsatz. Dazu gesellen sich seidige Abendkleider sowie gestrickte Mäntel in Felloptik. Inspiriert wurden Maria Poweleit und Jesko Wilke dabei von Modezeitschriften der 40er und 50er Jahre, die Jesko Wilke auf dem Dachboden seiner Oma gefunden hat. „Das hat uns so angemacht, dass wir die Mode gern in die Moderne transferieren wollten – mit modernen Schnitten und moderner Stoffvielfalt,“ erklärt der Designer.

Zwei Tage hatten die Jungdesigner benötigt, um die Kollektion zu kreieren. Erst eine Woche vor der Fashion Week waren alle Outfits fertig. Stress pur. Doch kurz vor der Show ist davon nichts mehr zu merken. Entspannt und munter bügeln die beiden Jungdesigner ihre Kleider für den großen Auftritt und antworten AMICA online geduldig und äußerst offen.

AMICA Online: Sie sind diese Woche zum zweiten Mal auf der Fashion Week. Was waren Ihre Erfahrungen beim ersten Mal?
Jesko Wilke:
Es war sehr aufregend. Wir waren überrascht, wie gut alles lief.

Maria Poweleit: Aber natürlich, es waren auch kleine Malheurs geschehen. Diese haben wir versucht, auszubessern.

Zum Beispiel?
J.W.:
Wir haben unvorteilhafter Weise das Casting und das Fitting an einem Tag gemacht. Es sind Hosen gerissen. Models sind abgesprungen. Das ist uns dieses Mal nicht geschehen.

Was geschah nach der Fashion Week?
J.W.:
Die Presse stürzte sich auf uns. Und auch die Anfragen von Einkäufern und Endverbrauchern stiegen.

Die Tagesschau hat vor wenigen Tagen einen Beitrag zur Fashion Week ausgestrahlt. Darin ging es um ausgebeutete Praktikanten und rote Zahlen der Labels. Können Sie das bestätigen?
J.W.:
Natürlich ist es als Modelabel in Deutschland schwierig schwarze Zahlen zu schreiben und Fuß zu fassen. Das weiß aber jeder, der sich darauf einlässt.

© AMICA Online
Maria Poweleit und Jesko Wilke des Design-Labels Glaw mit Amici-Autorin Nastasia Achilles.
Warum ist es schwierig, in Deutschland schwarze Zahlen zu schreiben?
J.W.:
Das liegt an der deutschen Mentalität.

M.P.: Die Leute hierzulande geben ihr Geld lieber für schöne Autos oder einen schönen Urlaub aus. In Italien oder in New York wird mehr Wert auf ein gutes, gepflegtes Aussehen gelegt. Entsprechend handeln dann auch die Einkäufer.

J.W.: Ja, diese sind dann viel zurückhaltender als im Ausland.

Werden denn junge Designer hier in Deutschland von öffentlicher Seite unterstützt?
J.W.:
Auch hier wieder weniger als im Ausland. In Deutschland sind Jungdesigner auf die Förderung durch Private angewiesen.

M.P.: Aber man muss auch sagen, dass der Berliner Senat Jungdesigner auf der Fashion Week unterstützt. Z.B. vergibt er Slots für Fashion Shows, für die man sich bewerben kann.

Was halten Sie davon, dass Mode-Blogger in New York demnächst nicht mehr zu den Shows auf der Fashion Week dürfen?
J.W.:
Man muss abwägen, welche Blogs nicht mehr kommen dürfen. Blogger, die 100 Follower haben und erst seit zwei Wochen einen Blog betreiben, bringen einem Label nichts. Auch unterhalten meist Teenager Blogs, die ohnehin nicht unsere Kunden als Zielgruppe ansprechen. Diese jungen Leser können sich unsere Kollektionen einfach nicht leisten. Man muss aussieben. Und um ehrlich zu sein, in Berlin gleicht die Fashion Week schon manchmal einem Volksfest. Es kann doch jeder rein, ob Z – Promi oder Miniblog. Für ein Label sind aber die Einkäufer und die Fachpresse wichtig.

Sie laden doch auch Prominente ein?
J.W.:
Ja. Das ist gut für die Presse. Und Prominente können sich unsere Kleidung auch leisten.

VIPs werden von Ihnen also nicht ausgestattet?
M.P.:
Teils, teils. Viele sind von der Ausstattung auch so begeistert, dass sie danach die Kleider abkaufen.

© Mercedes-Benz Fashion Week Berlin
Look aus der Herbst-Winter-Kollektion 14/15 von Glaw.
Was bedeutet eine moderne Stoffführung?
J.W.:
In den 40er, 50er Jahren, durch die unsere Kollektion inspiriert wurde, waren die Proportionen und die Details anders. Wir haben das Ganze sexy gemacht.

M.P.: Am Rückenteil einer normalen Bluse haben wir zum Beispiel noch eine Teilungsnaht eingesetzt. Der obere Teil ist transparent gehalten, der Untere blickdicht. Dadurch entsteht eine ganz neue Silhouette.

Viele Designer setzen seit längerem schon auf Transparenz. Bleibt dieser Trend?
J.W.:
Ja.

M.P.: Man muss aber auch sagen, es geht nicht alles transparent. In den vergangenen Shows hatten wir auch komplett transparente Teile. Für die Show ist das gut, nicht aber für den Verkauf. Die wichtigen Stellen müssen verdeckt sein.

Präsentieren Sie auf dem Laufsteg auch Teile, die später nicht in den Verkauf gehen?
M.P.:
Ja, gut 10-30 Prozent werden nie produziert.

J.W.: Insbesondere die Abendkleider kauft nicht jeder.

Wenn die Show nun gleich gelaufen ist, wie geht es dann weiter?
M.P.:
Dann nehmen wir uns ein paar Tage frei. Danach geht es mit der nächsten Kollektion los. Dieses Mal wollen wir schneller sein und nicht wieder erst kurz vor der Show fertig werden.