Herbst/Winter 11/12: Lala Berlin Keine Macht für Niemand
Freiheitsliebend zeigt sich Leyla Piedayesh und wählte den Song von „Ton, Steine, Scherben“ als Show-Titel. Wie sie den Wunsch nach Anarchie in Mode übersetzt?
Text: Veronika Schaller
Ein knallgelber Hosenanzug, artsy Digitaldrucke, bodenlange Strickwesten und lässige Hosen mit tiefem Schritt – schön sieht sie aus, die modische Anarchie bei Lala Berlin.Das finden auch die Stars in der ersten Reihe. Boris Becker mit seiner Lilly, Shermine Sharivar, Alexandra Neldel, Heike Makatsch und Caroline Herfurth. „Seit der Berlinale im letzten Jahr bin ich Fan von Lala Berlin“, sagt die Schaupielerin. „Diese Mischung aus transparenten Blusen und lässigen Strickstücken finde ich toll und ich habe mich auch schon in einen gelb-gemusterten Cardigan aus der neuen Kollektion verliebt.“
Für diese neue Kollektion hat sich Leyla Piedayesh, Muster-Aufsteigerin der Modewelt, von dem Protestsong „Keine Macht für Niemand“ aus dem Jahr 1972 inspirieren lassen. „Heute gehen die Leute für ihren Protest wieder auf die Straße“, sagt Lelya Piedayesh. Diese Unangepasstheit habe ihre Kreativität angeregt, genau wie ein Potpourri aus Büchern, Filmen und coolen Girls aus ihrem Umfeld. Wir haben bei der Lala Berlin-Gründerin genauer nachgefragt.
© Mercedes-Benz Fashion Week
Leyla Piedayesh: Ich finde den Song freiheitsliebend, anarchisch und hochenergetisch – genau wie die Stimmung in der heutigen Großstadt. Meine Entwürfe drücken genau diese Dinge aus.
Warum herrscht Ihrer Meinung nach in der Mode gerade keine Ordnung?
Vor einigen Jahren noch regierten große Namen die Modewelt. Sie füllten Magazine, die Catwalks und die wichtigsten Läden. Heute ist das anders. Es gibt viel mehr Platz für neue Labels und junge Designer, die sich trauen anzugreifen.
Ihre Kollektion wird von Ethno-Mustern dominiert. Warum?
Prints sind Schlüsselaspekte jeder Lala Berlin Kollektion. Ich liebe Ethnomuster, weil sie „Natur“ auf die Kleidungsstücke bringen. Dieses Mal führen verschiedene Materialien zu einer räumlichen Lebendigkeit und erzielen einen 3D-Effekt. Das ist völlig neu bei Lala Berlin.
Wie haben Sie ihr Markenzeichen Strick neu interpretiert?
Durch Jacquard- und Intarsientechniken wird der Strickbereich auf eine neue Ebene transportiert, um so die 3D-Idee besser zur Geltung zu bringen.
Könnten Sie sich überhaupt eine Kollektion ohne Strick vorstellen?
Auf gar keinen Fall. Strick und Lala Berlin sind untrennbar miteinander verbunden. Meine Philosophie ist doch genau das Spiel mit den Gegensätzen – grober Strick zu zarten Kleidern. Was ist noch typisch „Lala“ an der Kollektion?
Klassisch „Lala“ sind die Streifen im Mix-and-Match Verfahren. Natürlich wird es auch wieder meine weichen Schals und Tücher geben.
Welche Frau trägt diese typischen „Lala Berlin“-Stücke?
Meine Kundinnen sind modeaffin, lassen sich aber keinen Trend aufdrücken. Ich möchte, dass sie sich beim Tragen meiner Kleider angezogen, aber nicht verkleidet fühlen. Dabei soll sie locker modern und trotzdem elegant aussehen. Auch die Bewegungsfreiheit ist ein wichtiger Aspekt.
Ihre Fans dürfen sich bald auf noch mehr „Lala“ freuen …
Genau! In Zusammenarbeit mit dem „Legwear“-Unternehmen Kunert habe ich Strümpfe gestaltet, die es ab Juli zu kaufen gibt. Außerdem wird die bereits im Sommer 2010 gestartete Kooperation mit der Schuhmanufaktur Unützer fortgeführt und um Handtaschen erweitert.
2004 brachten Sie ihre erste Strickkollektion heraus, heute wird ihr Label in 60 Ländern. Was denken Sie, wenn Sie auf Ihre bisherige Karriere zurückblicken?
Ich bin natürlich stolz auf das, was ich erreicht habe. Ohne Investoren. Ich bin ja nicht nur Geschäftsfrau und Designerin, sondern auch Mutter einer kleinen Tochter. Alles zu koordinieren ist oft nicht einfach. Aber ich habe gar keine Zeit zurückzublicken. Ich schaue nur nach vorne.
Und was wollen Sie noch erreichen?
Mein Traum ist es, dass Lala Berlin irgendwann weltweit verkauft wird.
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