Herbst/Winter 11/12: Michael Michalsky Stylische Stadt-Nomaden

 

Gehüllt in Leder und Metallic-Stoffe wandelt die Michael-Michalsky-Frau durch ihre City. Der Star-Designer über Visionen, sein wichtigstes Mantra und die Verbindung von Film und Mode.
Text: Veronika Schaller
"Willkommen beim Highlight der Berliner Fashion Week“ begrüßt eine Stimme aus dem Lautsprecher vor der Fashion Show von Michael Michalsky. Vermessen? Vielleicht. Aber fest steht: Der Designer schreibt das Wort „Show“ sehr groß. 1200 Gäste, der Tempodrom als Location, die 80er-Jahre-Kultband Alphaville als Live-Act, die Deutschlandpremiere des Disney-Filmes „Tron: Legacy“ im Anschluss, Häppchen und Champagner davor, Party danach und jede Menge geladene Stars.

Sibel Kekilli, Franziska Knuppe, Nora von Waldstätten, Bettina Zimmermann, Shermine Shahrivar und David Kross waren nur einige der Promis, die sich Michael Michalskys neue Winterkollektion “Urban Nomads” ansahen. Wir fragten den Designer nach seiner Inspirationsquelle, warum er Film mit Mode verbindet und was die Berliner Fashion Week ausmacht.
© Mercedes-Benz Fashion Week
AMICA Online: Wie kamen Sie auf das Motto „Urban Normads“?
Michael Michalsky:
Für jede meiner Kollektionen befasse ich mich intensiv mit einem gesellschaftlichen Thema. Die Urbanisierung und der veränderte Lebensstil der Menschen in den großen Städten haben mich interessiert. Was verändert sich? Was bleibt? Behalten wir alte Wertvorstellungen trotz geänderter Lebensweise?

Was sich vor allem verändert hat, ist die Technisierung. Wie spiegelt sich diese in Ihren Kreationen wieder?
Um die Technisierung in Mode zu übersetzen, habe ich einen Style namens „Maximal Minimalism“ entwickelt. Futuristische, mit Metallfäden durchwobene Seide und dreidimensionale Fransenstoffe treffen auf präzise geometrische Schnitte. Und für die Damen gibt es eine neue Silhouette, den „Column Shape“.

Und wie stark prägen technische Neuerungen wie iPad, Smartphones etc. Ihren Alltag?
All diese Dinge benutze ich ständig und täglich. Ohne Facebook, iPhone und iPad geht gar nichts. Pünktlich zur StyleNite wird zum Beispiel eine iPad-App für Kunden gelauncht. Die App ist eine Kunst-Ausstellung mit vielen alten Kunstwerken, die alle mit dem Thema der „5 Sinne“ spielen. Deshalb habe ich ihr den Titel „Senses“ gegeben. Die User können damit Gedichte schreiben und an ihre Freunde schicken oder auf Facebook posten.
Welche Einflüsse finden sich in Ihren Designs noch wieder?
Beim Entwerfen von Kreationen beeinflusst mich, was ich täglich erlebe. Das können interessante Gespräche sein, Reiseeindrücke oder Bücher.

Was ist typisch Michalsky an der neuen Kollektion?
Das Mantra von Michalsky ist die große Klammer: „Real Clothes for Real People“. Moderne, tragbare Mode mit einem hohen Qualitätsanspruch. Die Verbindung von klassischen Schnitten mit modernen Details. Ich entwerfe Mode für die Menschen und nicht für’s Museum.

Wie haben Sie Ihre Key-Pieces, Ihre langen Abendkleider in A-Linie, weiterentwickelt?
Die Michalsky-Abendkleider sind einer unserer Bestseller. Daran arbeiten wir ständig und sehr intensiv. Es gibt neue Materialien und Schnittdetails, ohne die gute Passform zu verändern. Hinzugekommen ist die komplett neue, säulenartige Silhouette.
© Disney Enterprises
Olivia Wilde spielt in „Tron: Legacy“ das weibliche Programm Quorra.
Im Anschluss an Ihre Show feierte der Disney-Film „Tron: Legacy“ Deutschlandpremiere. Wie kamen Sie darauf Mode mit Film zu verbinden?
Musik, Film, Fotografie und Mode sind künstlerische und kreative Ausdrucksformen, die sich gegenseitig beeinflussen und eng miteinander agieren. Auf der StyleNite spielen deshalb schon immer Musiker, die ich interessant finde. Lady Gaga und Hurts waren schon da. Dieses Mal Alphaville. Das Ganze mit einer Filmpremiere zu verbinden, ist eine neue Stufe und eine Weiterentwicklung. Als ich hörte, dass Disney „Tron“ neu herausbringt, habe ich sofort gedacht „das ist es“.

Was fasziniert Sie so an „Tron“?
„Tron“ ist Kult. Sehr stylish und weit vor seiner Zeit. Die Designsprache und die Musik von Daft Punk sind sensationell. In den USA ist „Tron: Legacy“ in den Top Kino-Charts. Der Film passt perfekt zum Kollektionsthema „Urban Nomads“.
© Mercedes-Benz Fashion Week
Was ist für Sie der schönste Augenblick einer StyleNite?
Wenn die letzten Gäste morgens um fünf happy nach Hause gehen. Ich stehe enorm unter Strom, dass auch alles klappt, kein Model stolpert, die Musik nicht aussetzt, das Catwalk-Licht nicht ausgeht und so weiter. Die StyleNite ist der Höhepunkt jeder Saison und ich bin jedes Mal froh, wenn der Stress sich gelohnt hat.


Welchen Stand hat die Berliner Fashion Week ihrer Meinung nach in der Modewelt und welches Potential steckt noch darin?
Die Mercedes-Benz Fashion Week hat ihren Platz gefunden, sie ist sehr erfolgreich. Berlin hat einen eigenen Charakter als Modestadt entwickelt. Der Termin ist ein fester Bestandteil des internationalen Fashion-Week-Kalenders. Der nächste Schritt wird sein, dass neben den erfolgreichen Messen „Bread & Butter“ und „Premium“, mehr große Labels ihre Showrooms in Berlin eröffnen. Ich bin froh, dass ich mich für Berlin entschieden habe und nicht für Paris oder London. Ich glaube an Berlin. Berlin ist cool.
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