Herbst/Winter 11/12: Parsival Cserer Neue Maschen
Letztes Jahr gewann Parsival Cserer einen Nachwuchs-Award, jetzt zeigte er seine erste eigene Kollektion auf der Fashion Week Berlin. Ein Strick-Mustermix deluxe!
Text: Veronika Schaller
Als Show-Moderatorin Anabelle Mandeng sich umdreht, geht ein Raunen durch die Menge. Ihr bodenlanges, grün-gelbes Strickkleid mit Ethno-Muster ist hauteng und vorne hochgeschlossen, offenbart auf der Rückseite aber einen verführerisch tiefen Ausschnitt. Designt wurde diese Kreation von einem noch realtiv unbekannten Kopf.Letzte Saison gewann Parsival Cserer das Rennen um das Förderprogramm „Designer for Tomorrow“ vom Luxuskaufhaus „Peek & Cloppenburg“, dieses Mal zeigt der 28-Jährige eine vollständige Debütkollektion.
Deren Name „KNI+++API“ ist eine Zusammensetzung aus dem englischen Wort „knit“ für „Strick“ und dem französischen Wort „Tapisserie“ für „Bildwirkerei“. Denn: Der Jungdesigner strickt aus Kaschmir, Seide, Mohair und Leinen bunt gemusterte Stücke.
Über hautengen Kleidern mit abwechslungsreichen Ornamenten liegen Kurzjacken im Mustermix. Verschiedenartiges wird durch gleiche Farben zur Einheit und lässt den Blick nicht mehr los.
Neonfarben fügen sich ineinander, ein schwarz-weiße Schachbrettmuster hypnotisieren bei jedem Schritt, Glitzerfäden schimmern hindurch. Bodenlange Cardigans und „Decken“-Jacken mit assymetrischem Saum rufen „überwerfen, und auch bei Frostgraden wohlfühlen“.
Wir sprachen mit dem Designer über die Aufregung vor der ersten Show, seine Inspirationsquellen und seine Passion für gemusterte Strickteile.
© Florian Seefried und Toni Passig
Das war für mich wie eine Prüfung: Ich habe mich darauf gründlich vorbereitet, und gehofft sie so gut wie möglich zu bestehen ...
Das ist Ihnen gelungen! Was hat sich seit dem Gewinn des „Designer for Tomorrow“-Awards für Sie verändert?
Dank des Awards habe ich es geschafft, mich von den Werkstätten meiner ehemaligen Kunsthochschule Berlin Weißensee abzunabeln: Nun habe ich mein eigenes Design-Studio mit dem Schwerpunkt Strick, in dem ich meinen Ideen, Entwürfen eigenständig Gestalt verleihen und in Produktion gehen kann.
Was war die Inspirationsquelle ihrer neuen Kollektion?
Ob in Büchern oder im Alltag – Inspiration finde ich überall. Vor vier Jahren galt mein Interesse alleine dem Volumen und der Silhouette, vergleichbar mit der klassischen Bildhauerei. Irgendwannkam die Begeisterung für Farben und die Malerei dazu. Nun interessiere ich mich für alle Arten von Mustern und Farbkombinationen.
© REUTERS
An der „Hochschule für Technik und Wirtschaft“ in Berlin habe ich 2001 zum ersten Mal meine Erfahrung mit maschinellen Stricktechniken gemacht. Es hat lange gedauert, bis ich mit der Strickmaschine eins war. Es war wie mit dem Fahrradfahren: So lange ich es nicht konnte, scheint es schier unmöglich. Heute arbeite ich an der Maschine wie ein Musiker an seinem Instrument meine Melodie ist das Design.
Welche Frau trägt „Parsival Cserer“?
Meine Entwürfe spiegeln sicherlich mein eigenes Körpergefühl wider. Deshalb sind meine gemusterten Etuikleider, voluminösen Jacken und Mäntel für Frauen mit einem selbstbewussten Körpergefühl gemacht, die keine Angst davor haben aufzufallen.
© REUTERS
Ja, denn ich plane gut. Das Schöne beim Stricken ist: Ohne Geduld funktioniert nichts. Vier Monate lang habe ich intensiv an der Kollektion gearbeitet. Aber ich mache immer eine Pause, wenn ich merke, dass mir die Augen zufallen oder ich mich nicht mehr konzentrieren kann. Dabei interessiert es mich nicht, ob es draußen hell oder dunkel ist, ob es ein Wochen- oder Feiertag ist.
Was würden Sie beruflich gerne erreichen?
Ich fände es traumhaft, einen Weg zu finden möglichst vielen Menschen mit meiner Arbeit zu helfen, indem ich Arbeitsplätze schaffe und Produkte hervorbringe, die mit allen Aspekten eines modernen westeuropäischen Lebens in Einklang stehen.
Klingt sehr sozial und bescheiden. Was ist mit Ruhm und Reichtum
In Sachen Konsum bin ich ein bescheidener Mann. Ich führe ein Studentenleben und genieße die Freiheit, mich um wenig materiellen Besitz kümmern zu müssen. Das fängt beim Putzen einer kleinen Wohnung an. Alles in allem steht aber bei mir das persönliche Glück an oberster Stelle und auch immer über den beruflichen Erfolgen.













